Der Zuckerhut ruft und der Kapitän will endlich ganz nach oben. Während sich Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff vor dem Start in die WM-Qualifikation mit Zielvorgaben zurückhielten, sprach Philipp Lahm ohne Umschweife vom WM-Triumph in Brasilien. "Wer unsere Vergangenheit sieht, mit vier Turnieren minimal im Halbfinale - da kann es unser Anspruch nicht mehr sein, ins Viertelfinale zu kommen. Es ist klar, dass man um den Titel spielen und den Titel gewinnen will", sagte Lahm vor dem ersten Ausscheidungsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2014 am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) gegen die Färöer.
"Wir freuen uns, dass die Qualifikation losgeht, ein neuer Wettbewerb beginnt mit dem Ziel, die WM 2014 zu erreichen", sagte Löw deutlich moderater. Immerhin: Die EM-Enttäuschung wurde vor der Partie in Hannover abgehakt. "Jeder muss sich neu beweisen, weil wir junge, gute Spieler haben, die in die Mannschaft drängen. Es ist sehr viel Qualität da. Wir haben einen neuen Konkurrenzkampf, der uns wieder nach vorne drängt", sagte Lahm.
Im Nationalteam fühlt sich der frischgebackene Vater auch schon ein bisschen als Papa. Beim Training hatte er ein wenig überrascht registriert, inzwischen "mit knapp 29 Jahren hinter Miroslav Klose der Zweitälteste" zu sein. "Mir macht es großen Spaß, mit den jungen Spielern zu arbeiten", sagte Lahm. Die Qualität sei sehr groß in der Mannschaft: "Wir haben einen neuen Konkurrenzkampf, der uns weiter nach vorne bringt."
Den ganz großen personellen Umbruch wird Löw vorerst nicht vornehmen. "Ich sehe, dass unsere Mannschaft, was die Basis betrifft, ganz gut eingespielt ist", sagte Löw. Aber erste Umbaumaßnahmen wird es auch als Konsequenz aus dem bitteren EM-Aus schon gegen die Färöer geben. Lahm wechselt wieder auf die von ihm bevorzugte Position des rechten Außenverteidigers. Marcel Schmelzer darf sich auf links beweisen. Stabilität in der Abwehr ist für Löw ein großes Thema in der Gruppe C mit Österreich, Irland, Schweden und Kasachstan als weiteren Gegnern.
Co-Trainer Hansi Flick sagte am Donnerstag in Barsinghausen schon vor der letzten Trainingseinheit, dass Thomas Müller und Marco Reus mit Sami Khedira und Mesut Özil im Mittelfeld spielen werden. Den fünften Akteur im zentralen Verbund ließ er noch ungenannt. "Ich glaube schon, dass wir eine gewisse Ordnung brauchen. Die Tendenz ist eher, dass man einen offensiven Spieler reingibt", sagte Flick.
Ilkay Gündogan oder Lars Bender können auf einen Einsatz spekulieren, weil Toni Kroos verletzungsbedingt ausfällt. Lukas Podolski würde nur in die Startelf rücken, wenn Löw eine äußerst offensive Mittelfeld-Variante ausprobieren will. Neue Hoffnung auf eine Rückkehr in die Startformation kann sich auch Per Mertesacker machen. Der im EM-Jahr ins zweite Glied gerutschte Innenverteidiger vom FC Arsenal wurde von Flick ausdrücklich gelobt.
Bei der traditionellen Videoanalyse vor dem Spiel wurden auch die beiden wenig berauschenden Spiele der DFB-Elf gegen die Inselkicker in den Jahren 2002 (2:1) und 2003 (2:0) gezeigt. Miroslav Klose, in beiden Partien Torschütze und am Freitag einzige deutsche Spitze, war als "Zeitzeuge" gefragt.