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Merken   Drucken   03.08.2011, 09:00 Schriftgröße: AAA

Gladbacher Abwehr: Das Bollwerk aus Österreich

Martin Stranzl hat die Abwehr in Mönchengladbach stabilisiert und den Verein vor dem Abstieg bewahrt. Doch das Niveau zu halten wird schwierig. von Bertram Job, Mönchengladbach
So ein mörderisches Kommando möchte er nicht noch einmal erleben, wenn er sich das aussuchen dürfte, "wir waren ja alle auf Anschlag von der psychischen Belastung her". Aber nun, nach dem Klassenerhalt, hat Martin Stranzl eine ganz persönliche Hoffnung für die neue Bundesliga-Saison. "Wir haben gesehen, was wirklich möglich ist, wenn man in jedem Spiel an seine Leistungsgrenzen geht", sagt der 31-jährige Innenverteidiger von Borussia Mönchengladbach, "und dass wir über 90 Minuten jeden Gegner besiegen können, egal wie der Name ist. Das muss jetzt im Kopf drinnen bleiben."
Hart zur Sache geht der Mönchengladbacher Martin Stranzl (l) im ...   Hart zur Sache geht der Mönchengladbacher Martin Stranzl (l) im Zweikampf mit Andreas Johansson.
Es gibt nicht viele Fußballprofis, die so verbindlich über die Lernschritte ihrer Arbeitsgruppe referieren können. Und ganz sicher ist das ein Grund, warum der Österreicher für seinen Verein so schnell sehr wichtig geworden ist. Seit der drahtige Burgenländer mit dem Gardemaß (1,91 Meter) im Zentrum der Mönchengladbacher Defensive agiert, hat diese merklich an Stabilität gewonnen. Sie ist während der denkwürdigen Rückrunde der letzten Saison von einer Schießbude zum Bollwerk mutiert. Die Dribblings und Tore von Marco Reus waren prima, aber der Grundstein zum Klassenerhalt wurde weiter hinten gelegt.
Mit der Verpflichtung von Lucien Favre (M) gelang Vizepräsident ...   Mit der Verpflichtung von Lucien Favre (M) gelang Vizepräsident Rainer Bonhof (r) und Sportdirektor Max Eberl ein Coup.
Nicht panisch zu werden, sondern Moral und Ordnung beizubehalten: Dieses kühle Konzept von Trainer Lucien Favre wäre ohne passende Spieler nur eine nette Idee geblieben. Im Duett mit dem Brasilianer Dante Bonfim aber konnte Stranzl, nach Stationen bei 1860 München, dem VfB Stuttgart und Spartak Moskau gereift, die innere Ruhe vorleben. An Grillabenden in seinem Garten erneuerte sich im großen Kreis der kollektive Glauben. "Die Chemie hat gleich gepasst", so Stranzl, "deshalb war ich von Anfang an überzeugt."
Darüber ist die Neuerwerbung in nur sechs Monaten am Borussia-Park zum Führungsspieler beziehungsweise zur "treibenden Kraft hinter den Kulissen" ("11 Freunde") avanciert, was sie selbst eher nüchtern registriert: "Das sind ja Sachen, die der Verein von mir auch erwartet hat." Es funktioniert jedoch nur, "wenn du wirklich Topleistung bringst".
Mit Stranzl, Dante, Reus und Hanke hat man in Mönchengladbach die wertvollsten Profis halten können. Dazu wurden für alle Mannschaftsteile vornehmlich junge Spieler neu verpflichtet, die Druck auf die etablierten Profis ausüben sollen. Polyvalente Talente, um die Lieblingswendung von Lucien Favre zu bemühen, wie etwa der vom Karlsruher SC losgeeiste Lukas Rupp (20), der giftige Japaner Yuki Otsu (21) oder der von Manchester United ausgeliehene Norweger Joshua King (19), der zum 1. August zur Mannschaft stößt. So breit aufgestellt, kann man nach vorne "schon ganz andere Sachen als im letzten halben Jahr" machen, wie Stranzl hofft.
Der Optimismus ist zurück im Traditionsverein, der Rekorde an Saisontickets (27500) und Mitgliedern (fast 46.000) meldet. Doch seine Entscheider geben auch nach dem Pokalerfolg in Regensburg (3:1), zu dem Stranzl den Führungstreffer beisteuerte, keine Prognosen ab. Wer Favre oder den sportlichen Leiter Max Eberl nach Saisonzielen fragt, erntet dieser Tage nur ein freundliches Lächeln.
Dass man den imposanten Lauf aus der Rückrunde hinüberretten könnte, ist ja nur eine vage Hoffnung. "Noch mal zu bestätigen, was wir da geleistet haben, wird um einiges schwieriger", ahnt Stranzl. Zumal die ersten vier Pflichtspiele die Borussen mit Bayern München, Stuttgart, Wolfsburg und Schalke zusammenführen, sagt Stranzl: "Da wird man ja sehen, wie viel wir gelernt haben.
  • FTD.de, 03.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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