Es sah nach Abschied aus: Das letzte Heimspiel dieser Saison war es, dieses vermaledeite 2:3 gegen den 1. FC Nürnberg und Tom Starke, der Torhüter der TSG 1899 Hoffenheim, lief nach dem Schlusspfiff als einziger TSG-Profi in die Fan-Kurve, schüttelte Anhängern die Hände und klatschte in die Menge, von der er gefeiert wurde. "Das war kein normales Spiel für mich, das ging ans Herz", sagte Starke hinterher sichtlich bewegt.
Seit sich letzte Woche der Wechsel von Werder Bremens Torwart Tim Wiese für Starke ins Hoffenheimer Tor zur neuen Saison immer klarer abzuzeichnen scheint, gab es Sympathiebekundungen der Hoffenheimer Fans. Vor, während und nach dem Spiel wurde Starke frenetisch gefeiert und sein möglicher Nachfolger Wiese mit Sprechchören und Plakaten verhöhnt. "Stell dir vor, Wiese ist da, und keiner geht hin", stand auf einem Transparent, auf einem anderen: "Wenn Tom geht, gehen wir auch." Oder: "Wiese - Betreten verboten."
Das alles macht dem Hoffenheimer Trainer Markus Babbel nichts aus. Es war von verblüffender Dialektik, als Babbel sagte, er finde die Unterstützung für Starke gut, das zeige doch, dass es in Hoffenheim eine Fankultur gebe und sich viele Leute Gedanken machten um den Verein. Dennoch bekräftigte Babbel: "Wenn ein Spieler wie Tim Wiese ablösefrei zu haben ist und ich noch ein Fan von ihm bin, dann musst du das als Verein machen." Babbel erklärte, es gebe Signale, dass Wiese es sich vorstellen könne, in Hoffenheim zu spielen: "Ich bin in Kontakt mit Tim und habe ein gutes Gefühl. Aber noch ist alles Hypothese." Angeblich soll Wiese ja auch Angebote von Real Madrid und Vereinen aus Mailand haben
Starke jedenfalls hatte gegen Nürnberg keinen guten Tag, er verschuldete das erste Gegentor durch Pekhart (9.) mit einer zu kurzen Faustabwehr und sah auch beim 1:3, erneut durch Pekhart (71.), nicht souverän aus. Ob er dieses Spiel gebraucht habe, um vom angestrebten Torwartwechsel überzeugt zu sein, wurde Babbel gefragt. Der Hoffenheimer Trainer antwortete kurz und kalt: "Das habe ich vorher schon gewusst." Babbel will diesen Transfer gegen die Tribüne durchziehen.
In den letzten zwei Spielzeiten agierte Starke sportlich untadelig und war charakterlich ein Vorbild in Hoffenheim. Doch mit dem Trainerwechsel von Holger Stanislawski zu Babbel und der Entlassung von Manager Ernst Tanner steht schon wieder ein Strategiewechsel in Hoffenheim an. Und wieder einmal ist der Klub in einer selbst verschuldeten Imagekrise.