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Merken   Drucken   30.11.2010, 22:16 Schriftgröße: AAA

Korruption: Fifa ignoriert Bestechungsvorwürfe

Der Weltfußballerverband steckt in seinem wahrscheinlich größten Skandal - und wiegelt die Kritiker ab. Das Rennen um die WM-Vergabe am Donnerstag bleibt spannend. von Jens Weinreich, Zürich
Kommt er, oder bleibt er in Russland? Lässt Wladimir Putin die geplante Dienstreise in die Schweiz tatsächlich sausen, weil er sich keine Blöße geben will, weil der WM-Favorit Russland nicht mehr im Rennen sein soll für die Fußball-WM 2018? Das sind so Fragen, die am Dienstag in Zürich, am Sitz des Weltverbands Fifa, heiß diskutiert wurden. Oder: Berät das Fifa-Exekutivkomitee tatsächlich in einer Krisensitzung darüber, am Donnerstag nur die WM 2018 zu vergeben, nicht aber die WM 2022? Welchen Einfluss haben die jüngsten Korruptionsdokumente auf die WM-Vergabe?
Wladimir Putin   Wladimir Putin
Die Aufregung ist groß in Zürich. Und sie wurde noch angefacht durch die brüske Reaktion der Fifa auf die neuesten Berichte über Korruption in der Chefetage des Weltverbands. In einer schlichten Erklärung befand die Fifa die bekannt gewordenen Schmiergeldzahlungen an Top-Funktionäre wie den brasilianischen Verbandschef Ricardo Teixeira für gegenstandslos. Immerhin befasst sich nun sogar die lang zurückhaltende Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit dem Thema, weil einer der Fußballbosse, Afrikas, Issa Hayatou, auch dem IOC angehört. Hayatou wurde nach FTD-Informationen hinter den Kulissen nun ausgerechnet von jenem Mann entlastet, der einst im Auftrag des Marketingkonzerns ISL mehr als 140 Mio. Franken Schmiergeld verteilt hatte: Jean-Marie Weber.
Unterdessen marschieren hochrangige Politiker, Sportstars und andere VIPs in Zürich auf, sämtliche Fünfsternehotels sind ausgebucht. David Cameron ist da, der britische Premierminister, Zinedine Zidane, der Fußballgott, Prinz William, der Bräutigam von Kate, Bill Clinton, der Mann von Hillary, Cristiano Ronaldo, der Künstler am Ball, José Luis Rodríguez Zapatero, Spaniens Regierungschef, und David Beckham natürlich auch. Staats- und Regierungschef aus fast allen der insgesamt elf Bewerberländer sind da - aber Putin?
Kürzlich, beim europäischen Sportgipfel in Belgrad, flüsterte ein WM-Berater der Russen, bei der Fifa stünden die Signale nicht auf Grün. Deshalb wolle Putin zwar nach Zürich kommen und letzte Überzeugungsarbeit leisten. Aber er trete bei der offiziellen Präsentation am Mittwoch nur dann auf, wenn ihm ein Sieg signalisiert werde. Wie im Juli 2007, als er vor dem IOC in Guatemala dreisprachig für die Winterspiele 2014 in Sotschi warb. Erfolgreich, versteht sich.

Teil 2:

  • FTD.de, 30.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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