Eigentlich ist Klubfußball wegen der Olympische Spiele derzeit Nebensache. Doch der spektakuläre Neuzugang von Inter Mailand muss unbedingt vermeldet werden: kein Feldspieler, auch kein Torhüter, sondern ein Großaktionär. Die China Railway Construction Corp. wird 15 Prozent an dem Traditionsverein der italienischen Serie A übernehmen, für rund 55 Mio. Euro . Nebenbei soll das Bauunternehmen aus der Volksrepublik ein neues Stadion in Mailand hinstellen. 2017 soll es fertig sein. "Ich bin unglaublich glücklich", sagt Inter-Eigentümer Massimo Moratti.
Was als wegweisende Partnerschaft daherkommt, ist ganz nüchtern betrachtet das Eingeständnis der Schwäche. Internazionale braucht dringend Geld, weil Schutzpatron Moratti selbst in finanziellen Nöten steckt. Jahrelang ging alles gut. Im Februar 1995 kaufte sich der Erbe der Ölraffinerie Saras den Fußballklub als Zeitvertreib. Die Gehälter der Stars bezahlte er aus der Portokasse. Seine Leidenschaft ließ sich Moratti rund 1,2 Mrd. Euro kosten. Kein Problem, solange die Saras-Dividenden flossen. 2010 erklomm Moratti mit Inter den Olymp - und sicherte sich mit Meisterschaft, Pokal und Champions League das Triple.
Doch seither läuft es nicht mehr. Saras geht es schlecht, weil die Benzinnachfrage schwach ist. Das Unternehmen muss sparen und geizt mit den Ausschüttungen. Bei Inter Mailand dagegen fallen Einschnitte schwer, die Personalkosten für Mittelfeldstar Wesley Sneijder und Mitspieler beliefen sich Ende 2011 auf stattliche 190 Mio. Euro. Dieses Jahr droht ein Verlust von 80 Mio. Euro.
Woher soll Moratti das Geld nehmen? Da kommen die Chinesen gerade recht. Denn die Volksrepublik ist sportbegeistert. Unter anderem stieg ein Investor aus Peking bei dem US-Basketballklub Cleveland Cavaliers ein.
Was Moratti freut, dürfte Silvio Berlusconi ärgern. Der Ex-Premierminister Italiens und Präsident von AC Mailand hat das gleiche Problem. Seit der 75-jährige Cavaliere nicht mehr an der Macht ist, wird sein Medienimperium Mediaset an der Börse abgestraft. Die Werbeeinnahmen brechen ein, im Juli fielen sie in Italien um 20 Prozent. Um die Kasse zu füllen, gab Berlusconi seine beiden Starspieler Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva an Paris Saint-Germain ab. Auch Milan sucht nach einem Partner. Doch Gespräche mit arabischen Investoren scheiterten bislang. Vielleicht ruft Berlusconi mal in China an.