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Merken   Drucken   19.08.2012, 18:31 Schriftgröße: AAA

Premier League: Podolski fehlt der Tempowechsel

Lukas Podolski hat sich nicht verbessert - sein FC Arsenal startet nur mit 0:0 gegen Sunderland. Trotz lauem Spiel wurde er mit Standing Ovations aus dem Staion verabschiedet.
© Bild: 2012 dpa-Bildfunk/Kerim Okten
Lukas Podolski hat sich nicht verbessert - sein FC Arsenal startet nur mit 0:0 gegen Sunderland. Trotz lauem Spiel wurde er mit Standing Ovations aus dem Staion verabschiedet.
von Raphael Honigstein, London

Für große Unmutsäußerungen war es den Zuschauern am Ende eines hochsommerlichen Nachmittags viel zu heiß. Ein entnervtes, tonloses Nichts schluckte, passend zum 0:0-Resultat gegen den AFC Sunderland, die vereinzelten Buhrufe und Pfiffe im Stadion des FC Arsenal. Arsène Wenger blieb nach dem Auftaktspiel seiner Mannschaft in der englischen Premier League ebenfalls resolut unentschieden. "Sie können recht haben oder auch nicht, wir werden das nie klären können", sagte der Arsenal-Trainer zu der Frage, die seine Elf in dieser Saison vermutlich noch länger begleiten wird. Sie lautet: Hätte man mit dem zu Manchester United abgewanderten Spitzenstürmer Robin van Persie das Match gewonnen?

Wenger gab unumwunden zu, dass der Niederländer mit seiner Fähigkeit, "das Spezielle zu finden", die "Gunners" im Jahr zuvor exakt in solchen chancenarmen Partien oftmals zum Sieg geführt hatte. "Robin van Persie, er geht, wann er will", sangen die Fans von Sunderland höhnisch. "Er trifft, wann er will", ging das Liedchen früher.

Zukünftig sollen der vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln gekommene Lukas Podolski und Mittelstürmer Olivier Giroud (Montpellier) van Persie im Verbund die Tore erzielen. Beide hatten allerdings bei ihrem Debüt das Problem, nicht gleichzeitig, sondern nur hintereinander zwischen all den dunkelblau verkleideten, humorlos vor dem eigenen Tor einbetonierten Straßenbollern aus dem Nordosten der Insel auf dem Rasen zu stehen. Aus dem Mittelfeld kam trotz der bemerkenswert ansprechenden Leistung des neuen Spielmachers Santi Cazorla, der für 21 Mio. Euro vom spanischen FC Malaga gekauft wurde, meist nur halb gare Ideen. Theo Walcott und Gervinho verwirrten auf den Flügeln Gegner und Mitspieler in gleichem Maße. Ihre verschlungene Dribblings waren für Podolski derart unberechenbar, dass der eifrige deutsche Nationalspieler binnen seinen 64 Minuten auf dem Rasen nur zweimal in einigermaßen vielversprechende Schusspositionen kam. Beim ersten Versuch nahm ihm sein Kollege Cazorla den Ball weg, beim zweiten warfen sich gleich drei Sunderland-Grätscher in den Weg.

Giroud hatte nach seiner Einwechslung für den Deutschen die beste, einzig echte Chance - verzog aber fünf Minuten vor Schluss kläglich. Wenger entwich ein französischer Fluch auf der Bank. "Wir haben heute eine gute Gelegenheit verpasst", sagte der Elsässer später gefasst, aber nichtsdestotrotz enttäuscht.

An die beiden Klubs aus Manchester - City und United - werden die Londoner wohl auch in dieser Saison kaum herankommen, das Spielverständnis leidet sichtbar unter dem zweiten erzwungenen Umbau in ebenso vielen Jahren. "Es war, als ob ein Koch ganz viele Zutaten zusammenwarf, aber kein schmackhaftes Gericht daraus machen konnte", urteilte der "Observer" über die fahrigen Angriffsbemühungen. Im Norden der Hauptstadt hat man sich an den leicht faden Geschmack gewöhnt, der stets Zuversicht verströmende Wenger sucht nunmehr seit sieben Jahren nach einem erfolgreichen Rezept. Dass ihm alle zwölf Monate die besten Mitarbeiter flüchten, lässt das Output stagnieren. Im Vorjahr hatte man mit Cesc Fàbregas und Samir Nasri die wichtigsten Kreativkräfte in der Zentrale verloren, diese Saison muss man neben van Persie ab sofort auch auf Alex Song verzichten: Der vor allem von seiner Kraft lebende Mittelfeldspieler aus Kamerun wechselte am Samstag für 19 Mio. Euro zum FC Barcelona. Wenger hat sich den Ex-Dortmunder Nuri Sahin (Real Madrid) als Ersatz ausgeguckt.

Die beiden Deutschen im Team waren trotz des kleinen Fehlstarts zufrieden mit dem Saisonauftakt. Für Innenverteidiger Per Mertesacker war es das erste Spiel seit seiner Knöchelverletzung im Februar, er blieb 90 Minuten lang fehlerlos und erfreute die 60.000 Zuschauer sogar mit einem Hackentrick. Und auch für Podolski galt in erster Linie das olympische Motto: Dabei sein war (fast) alles. "Es hat Spaß gemacht, das Trikot zu tragen, man kannte Arsenal bisher nur aus dem Fernsehen, die großen Namen, das Stadion - die Fans haben meinen Namen gesungen", sprudelte es aus ihm heraus. "Ich komme langsam in den Verein und fühle mich richtig wohl."

Die Fans hatten ihn großzügig mit stehenden Ovationen verabschiedet. Wenger befand zwar, dass Podolski körperlich "noch nicht so weit" sei und ihm die "Tempowechsel" fehlten, doch das war weniger Kritik als eine wohlwollende Bestandsaufnahme, die auch für viele Mitspieler gilt. "Wir müssen in Strafraumnähe kreativer sein", sagte der Franzose - und das zielte sicher auch in Richtung Podolski.

Der 62-jährige Wenger wird und muss, so spürt man, auch dieses Jahr wieder Meister sein. Meister der Geduld. Es kann für ambitionierte Klubs ja auch schlimmer kommen, wie der FC Liverpool bewies: Die "Reds" kamen mit ihrem neuen Trainer Brendan Rodgers bei West Bromwich Albion mit 0:3 unter die Räder. Dabei soll doch in dieser Saison wieder der Sprung unter die top vier der Premier League gelingen.

  • Aus der FTD vom 20.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
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