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Merken   Drucken   01.02.2012, 11:01 Schriftgröße: AAA

Rechtsstreit: Amerikanische Frauen-Fußball-Liga setzt aus

Nach der Olympia-Qualifikation der US-Frauen kam der Schock. Die Fußball-Liga WPS pausiert für mindestens ein Jahr. Grund sind ein Rechtsstreit und weitere Probleme. Dabei müssten sich die US-Girls auf London vorbereiten - dort sind sie Titelverteidiger.
Auf die Freude über die erfolgreiche Olympia-Qualifikation folgt der Frust. Mit einer Mischung aus Unverständnis und Wehmut haben die Fußball-Nationalspielerinnen der USA auf die Absage der neuen Saison in der heimischen Profiliga WPS reagiert. Jungstar Alex Morgan sprach von einem "traurigen Tag", die beliebte Hope Solo fand die Nachricht "sehr bitter und schade", und selbst die für den 1. FFC Frankfurt spielende Ali Krieger wollte es "immer noch nicht glauben, dass die WPS in den USA nicht funktioniert".
Am Montag hatte die WPS mitgeteilt, die kommende Spielzeit wegen gravierender Rechtsstreitigkeiten mit einem ehemaligen Teambesitzer abzusagen. 2013, so hieß es weiter, wolle man zurückkommen. Doch das scheint eher Wunschdenken als Wirklichkeit zu sein.
Hope Solo, hier nach der Niederlage gegen Japan im WM-Finale, ist ...   Hope Solo, hier nach der Niederlage gegen Japan im WM-Finale, ist bitter enttäuscht
Die 2009 gegründete WPS ist nach ihrem Vorgänger WUSA bereits die zweite Frauen-Profiliga, die ihren Spielbetrieb nach nur drei Jahren einstellt. Dabei war der Hype um Abby Wambach und Hope Solo nach Platz zwei bei der WM im vergangenen Sommer in Deutschland so groß wie seit dem Titelgewinn 1999 im eigenen Land nicht mehr. Doch die Begeisterung für die US-Girls täuschte über die Probleme in der WPS hinweg.
Gerichtsstreit mit Multimillionär
Zu Beginn waren noch sieben Teams übers ganze Land verteilt, zuletzt nur noch fünf Mannschaften an der Ostküste. Wie schon WUSA bot WPS zwar große Namen, schrieb aber trotzdem rote Zahlen. Und zuletzt stieg mit Sportartikelhersteller Puma ein wichtiger Sponsor aus.
Hinzu kommt der seit Monaten andauernde Gerichtsstreit mit Dan Borislow. Der 50-jährige Multimillionär hatte im Sommer den Club Washington Freedom erworben, nach Florida umgesiedelt und ihm den Namen Magic Jack gegeben - benannt nach dem von ihm erfundenen USB-Adapter. Bereits früh gab es Kritik an der Vereinsführung von Borislow, der schlecht über Sponsoren, andere Teambesitzer und die Liga redete. Er hatte in Solo und Wambach zwar zwei Superstars, rührte aber kaum die Werbetrommel. Außerdem, so hieß es in einem Ligaschreiben im August, behandele er die Spielerinnen "unprofessionell und herabsetzend" und zahle seine Rechnungen nicht.
WPS-Geschäftsführerin Jennifer O'Sullivan sagte, dass man sich entschlossen habe, lieber die Saison auszusetzen als weiterhin mit Borislow zusammen zuarbeiten. Der deutsche Geschäftsführer des Sky Blue FC aus New Jersey, Thomas Hofstetter, sagt über Borislow: "Rückblickend muss man sagen, dass wir nicht sorgfältig genug waren."
Allerdings sei man vor einem Jahr in Eile gewesen und habe keine andere Wahl gehabt. Um langfristig existieren zu können, müsse man einige Dinge ändern, sagte Hofstetter. Er verweist darauf, dass es vor allem seitens des Verbandes an finanzieller Unterstützung fehlt. "In Deutschland bekommt jedes Team Geld vom Verband, in den Niederlanden und Norwegen ebenso. Der Verband kann nicht nur Visionen für die Männer haben. Frauen haben ebenfalls ein Anrecht darauf", so Hofstetter.
O'Sullivan sagte, dass sich alle Profis sofort neue Teams suchen können. Noch ist allerdings unklar, ob die Nationalspielerinnen in Vorbereitung auf den angestrebten Gold-Hattrick bei den Sommerspielen in London ins Ausland wechseln, in einer unteren heimischen Liga spielen oder vermehrt Trainingslager und Testspiele absolvieren. Erst am Sonntag hatte das US-Team eindrucksvoll beim Qualifikationsturnier in Vancouver das London-Ticket gelöst - die Spiele wurden mit einer Tordifferenz von 38:0 gewonnen.
  • dpa, 01.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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