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  20.11.2009, 10:22    

WM in Südafrika: Wohlstand schießt Tore

Seit Mittwochabend steht fest, welche Teams an der Fußball-WM teilnehmen. Auffällig: Nur wenige große Länder haben sich qualifiziert - aber viele reiche. von Heinz-Roger Dohms
Natürlich werden sich Fußballexperten jetzt auf den Standpunkt stellen, dass die Slowenen vor allem Glück hatten. Dass die Russen im Hinspiel viel besser waren und höher als 2:1 hätten gewinnen müssen. Und dass die Russen den 0:1-Rückstand im Rückspiel noch gedreht hätten, wären nicht zwei ihrer Spieler vom Platz gestellt worden.
Andererseits: Vielleicht musste es am Mittwochabend ja so kommen, wie es gekommen ist (Slowenen weiter, Russen raus). Schließlich ist Russland ein großes, armes Land. Und Slowenien ein kleines, relativ reiches.
Südafrika vor der WM Kickende Omas auf Torejagd
Tatsächlich fällt dieser Zusammenhang auf, wenn man die Liste der 32 für die Fußballweltmeisterschaft 2010 qualifizierten Teams mit Bevölkerungstabellen und Wohlstandsbarometern abgleicht: 12 der 20 laut Legatum Prosperity Index weltweit wohlhabendsten Länder sind in Südafrika dabei (legt man den Human Development Index der Vereinten Nationen zugrunde, sind es immerhin zehn). Dagegen finden sich unter den 20 bevölkerungsreichsten Staaten gerade einmal sechs, die bei dem Großereignis mitmachen dürfen.
Die Korrelation verblüfft, schließlich ist der Leitsatz, dass Geld Tore schießt, zwar vom Vereinsfußball bekannt, nicht aber von Nationalmannschaften. Chelsea kann Afrikas beste Spieler kaufen, England kann das nicht. Ökonomen, sonst um komplizierte Erklärungen nie verlegen, ziehen sich beim Fußball gern auf die simple Ableitung zurück, dass Länder mit vielen Menschen das größte Reservoir an Fußballtalenten haben und damit die größten Erfolgschancen. "Dieser Zusammenhang scheint der kleinste gemeinsame Nenner zu sein", schrieb der Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Jim O'Neill, in einer Studie zur WM 2006.
Selbstverständlich beweist die Widerlegung O'Neills nicht, dass die Wohlstandsthese stimmt. Fairerweise muss man einräumen, dass 13 WM-Startplätze für das reiche Europa fest reserviert sind. Und zur Wahrheit gehört auch, dass der Fußball in den beiden Ländern mit der global größten Bevölkerung, China und Indien, kaum Tradition hat. Trotzdem: Die kleine, vermögende Schweiz und das kleine, vermögende Dänemark haben sich innerhalb Europas durchgesetzt, während neben Russland auch die Ukraine, Polen und Rumänien ausgeschieden sind. In der Asien/Ozeanien-Staffel haben Australien, Südkorea und Neuseeland drei der fünf Startplätze abgegriffen, unter anderem auf Kosten des Iran (73 Millionen Einwohner, Volkssport Fußball).
Die Begründung der Wohlstandsthese? Am plausibelsten ist das Argument, dass es in reichen Ländern etablierte Strukturen gibt (zum Beispiel Fußballvereine mit ausgebildeten Jugendtrainern), die dabei helfen, aus Talenten Profis zu machen.
Wobei: Warum in aller Welt hat sich dann eigentlich Nordkorea qualifiziert?
  • Aus der FTD vom 20.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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