Die vielleicht entlarvendste Äußerung zur Causa Blatter kam jetzt vom früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger: Der meinte, aus Sicht der Fifa-Exekutive sei Joseph Blatter, der umstrittene Präsident des Fußballweltverbands, "absolut tragbar". Das klingt nicht nur seltsam für eine überzeugende Solidaritätsadresse - das ist auch keine.
Leicht ergänzt wird die Aussage denn auch verständlicher: Blatter ist absolut - und deshalb ist er auch tragbar. Muss er sein. Anders jedenfalls ist nicht zu erklären, warum bei der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees nicht einmal ansatzweise diskutiert wurde, ob der Chef vielleicht sein Amt zur Verfügung stellen sollte. Und dies, obwohl Blatter durch die Verwicklung in die Affäre um Schmiergeldzahlungen des Sportvermarkters ISL klar belastet ist. Doch aus dem Exekutivkomitee darf man in dieser Hinsicht keine mutigen Schritte erwarten. Die müssen jetzt von den nationalen Fußballverbänden erfolgen, allen voran vom DFB. Ein außerordentlicher Fifa-Kongress sollte Joseph Blatter die Tür weisen, wenn der immer noch nicht erkennen will, dass es höchste Zeit ist zu gehen.
Mit ihm an der Spitze jedenfalls bleibt eine Reform des schwer angeschlagenen Fußballweltverbands nicht nur Stückwerk - sie ist geradezu eine Parodie. Das zeigt sich schon an den Klimmzügen der Fifa -Funktionäre, mit denen zunächst eine zu intensive Beschäftigung mit der gar nicht so sauberen Geschichte verhindert werden sollte. Gut, dass diese Verjährungsfristen jetzt vom Tisch sind und im Interesse eines sauberen Sports dort hingeschaut werden kann, wo viele viel zu lange weggeschaut haben.
Denn: Der Reformprozess, von dem Joseph Blatter und die Fifa jetzt so vollmundig erzählen, hängt entscheidend vom Umgang mit der eigenen Geschichte ab.
Glaubwürdigkeit ist dabei bisher eine Währung, deren Wechselkurs der Fußballweltverband noch nicht kennt.
Ich begreife es beim besten Willen nicht, wie Herr Zwanziger zu einer solchen Aussage kommen kann. Das kann und darf nicht die Position des DFB sein. Die eindeutige Positionierung und Stellungnahmen von Herrn Rauball und Uli Hoeness gefallen mir da viel besser. Ein Verband wie der DFB kann und darf sich von so einer offensichtlich zu allem fähigen Un-Person nicht auf der Nase herumtanzen lassen und muss seine Macht auch einmal zur Geltung bringen. Es wird auch Zeit, dass sich zumindest einmal die maßgeblichen europäischen Verbände zu einer geschlossenen und sauberen Position durchringen.