Auf sportlichem Gebiet hat Joan Laporta mit dem FC Barcelona fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nun strebt der Clubchef des Champions-League-Siegers und spanischen Fußball-Meisters nach Höherem.
Joan Laporta wird auch «katalanischer Kennedy» genannt.
Der 47 Jahre alte Anwalt, der wegen seines charmanten Lächelns auch «katalanischer Kennedy» genannt wird, wechselt in die Politik und will Kataloniens Regierungschef werden. «Ich habe bei Barça unter Beweis gestellt, dass ich eine Regierung führen kann», sagte Laporta. «Ich gehe in die Politik, weil ich selbst regieren will.»
Aber damit nicht genug: Laporta hat es sich zum Ziel gesetzt, Katalonien von Spanien abzutrennen und die Region zu einem unabhängigen Staat zu machen. Sein Mandat als Barça-Präsident läuft im Juni aus. Nach zwei Amtszeiten darf er nicht erneut kandidieren. Nun will Laporta sich an die Spitze der in zahlreiche Gruppen aufgesplitterten Bewegung für die Unabhängigkeit Kataloniens setzen.
Aus seinen politischen Überzeugungen hatte er nie einen Hehl gemacht: «Als Barça-Präsident habe ich keine Parteipolitik betrieben. Aber ich habe den Verein immer als ein Mittel betrachtet, die Interessen und Freiheiten Kataloniens zu verteidigen», betonte Laporta. Der Clubchef hielt seine Profis an, die katalanische Sprache zu erlernen. Im vorigen Jahr unterstützte er symbolische Volksabstimmungen über die Unabhängigkeit Kataloniens.
Auf den Vorwurf, er vermenge Fußball und Politik, antwortete er: «Dies tun die Anderen auch. Katalonien darf zum Beispiel nicht mit einer eigenen Nationalelf an offiziellen Wettbewerben teilnehmen, weil Spanien diese Möglichkeit politisch mit seinem Veto blockiert.»
Der Barça-Chef hat noch nicht entschieden, ob er eine eigene Partei gründen oder sich der Splittergruppe Reagrupament des Ex- Ministers Joan Carretero anschließen wird, die ihm bereits eine Spitzenkandidatur angeboten hat. Nach Umfragen kann Laporta aus dem Stand auf etwa elf Prozent der Stimmen hoffen. Aber er hat bewiesen, dass er ein begnadeter Wahlkämpfer ist. 2003 eroberte er als Außenseiter das Vereinspräsidenten-Amt und schlug den Publizisten Lluís Bassat, der als der Favorit des Establishments angetreten war.
Als Clubchef hatte er bei den wichtigsten Entscheidungen das Glück auf seiner Seite. Die Verpflichtung von Ronaldinho und Trainer Frank Rijkaard sowie später von dessen Nachfolger Josep Guardiola erwiesen sich als Volltreffer. Barça gewann in Laportas Amtszeit nicht nur Titel, sondern pflegte auch einen offensiven, herrlich anzusehenden Stil. Obendrein stammen die Stützen der Elf wie Lionel Messi, Xavi, Carles Puyol oder Andrés Iniesta aus dem eigenen Nachwuchs.
Laporta offenbarte allerdings auch Schattenseiten. Mit seinem selbstherrlichen Auftreten verscherzte er sich manche Sympathien. 2008 überstand er nur mit Mühe ein Misstrauensvotum. Von den 14 Vorstandsmitgliedern, mit denen er 2003 angetreten war, stehen nur noch vier auf seiner Seite. Und im Skandal um das «Barça-Gate» musste Laporta sich vorhalten lassen, mehrere Kandidaten um seine Nachfolge ausspioniert zu haben.
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