Das hebräische "Hapoel" steht für Arbeiter - und ihren Ruf, tiefrote Vertreter einer israelischen Fußballenklave zu sein, hat sich der Verein hart erarbeitet. Die Anhänger von Beitar Jerusalem beschimpfen Hapoels Sympathisanten gern als "Faschisten", vor zwei Jahren kam es zu einer wüsten Prügelei zwischen den Fans beider Klubs.
Die offizielle Verbindung zwischen Hapoel Tel Aviv und der israelischen Arbeiterpartei besteht zwar nicht mehr. Doch werden sie bei irgendeinem Spiel in Israel von der gegnerischen Seite mal wieder als "kommunistische Verräter" bezeichnet, empfinden die Hapoel-Fans dies fast wie einem Ehrentitel. In der Geldvermehrungsmaschinerie Champions League wirkt ein Klub, der derart rotsieht, zwar wie ein Trappistenmönch beim Rosenmontagsumzug - was ihren Cheftrainer aber nicht daran hindert, auch nach den beiden Auftaktniederlagen in Lissabon (0:2) und gegen Lyon (1:3) noch von einem längeren Aufenthalt in der Königsklasse zu träumen.
In der heimischen Liga Haal geht es Chefcoach Eli Guttman, dessen Familie deutsche Wurzeln hat und dem sie in Israel wegen seiner Freude an Disziplin den Beinamen "der Deutsche" verpasst haben, mit Rang fünf nach sechs Spieltagen deutlich besser als dem Kollegen Felix Magath auf Schalke - aber noch nicht wirklich gut. Immerhin: Am Samstag hat die Guttman-Elf Maccabi Tel Aviv im Lokalderby mit 1:0 geschlagen. Viel mehr Genugtuung geht für die Fußballkommunisten vom Mittelmeer bekanntlich kaum. Außer natürlich mit einem Sieg über Beitar Jerusalem.