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Merken   Drucken   09.12.2009, 13:24 Schriftgröße: AAA

Tasci trauert entgangenem Kapitänsamt nach

Serdar Tasci trauert dem entgangenen Kapitänsamt nach. Der Leistungsträger sieht sein Engagement für und seine Treue zum VfB Stuttgart durch das Übergehen nicht gewürdigt.
Serdar Tasci feiert seinen Treffer gegen Bochum zurückhaltend.   Serdar Tasci feiert seinen Treffer gegen Bochum zurückhaltend.
Erst hatte sich der inzwischen entlassene Teamchef Markus Babbel für Tascis Innenverteidiger-Kollegen Matthieu Delpierre als Nachfolger des abgesetzten Thomas Hitzlsperger entschieden. Nun machte auch der neue Trainer Christian Gross dem Vize-Kapitän kaum Hoffnung, in absehbarer Zeit zum Mannschaftsführer des schwäbischen Fußball-Bundesligisten aufsteigen zu können.
«Wenn das Thema Kapitän überhaupt ein Thema wird, dann in der Winterpause», sagte Gross bei seinem Amtsantritt. Der Schweizer hat angesichts der bedrohlichen Tabellensituation der abstiegsbedrohten Stuttgarter andere Probleme und Prioritäten. Zudem hat er «von Delpierre einen guten Eindruck» gewonnen.
Der türkisch-stämmige Tasci, ein ruhiger und besonnener Zeitgenosse, hatte seine Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung für dieses wichtige Amt zurückhaltend, aber bestimmt geäußert. «Wenn der Kapitän ausscheidet, ist es logisch, dass der Vize nachrückt», sagte der 22-Jährige, der seit 1999 für den VfB spielt, nach dem 1:1 gegen den VfL Bochum.
Für Fans und Verantwortliche klar ersichtlich hatte Tasci nach seinem Führungstreffer bewusst auf überschwänglichen Jubel verzichtet und damit seinen Protest leise kundgetan. Aus dem Spielerrat trat er angesichts der sportlichen Talfahrt und der Turbulenzen nicht zurück. «Wir stecken in einer Krise, da will ich nicht durch meine persönliche Geschichte, dass alles noch schlimmer wird.» Wegen der Perspektive, bei seinem Club eine herausragende Rolle spielen zu können, hatte Tasci sogar ein Angebot von Juventus Turin ausgeschlagen und bei den Schwaben bis 2014 verlängert.
Wie sehr sich der Innenverteidiger mit dem VfB identifiziert, zeigt auch sein Comeback gegen den Rat der eigenen Mannschaftsärzte. Um dem im Tabellenkeller steckenden Team helfen zu können, ließ Tasci sich wegen einer Überlastungsreaktion im Mittelfuß vom «Wunderheiler» Mohamed Khalifa im österreichischen Hallein behandeln. Seither spielt er auf eigenes Risiko und mit der Gefahr, im Fall eines Bruchs wochenlang auszufallen.
Dieser bedingungslose Einsatzwille sowie seine Spielstärke, gute Taktik und Technik haben ihm auch bei Bundestrainer Joachim Löw einen festen Platz eingebracht. Neunmal lief Tasci bereits im Trikot der Nationalmannschaft auf. Für den WM-Kader für Südafrika ist er gesetzt. «Serdar hat große Qualitäten», sagte Löw. Bewusst hatte sich der in Esslingen geborene Sohn eines Baggerführers und einer Lehrerin für die deutsche Nationalmannschaft entschieden, obwohl ihm der türkische Trainer schon 2006 einen Einsatz garantiert hatte.
  • dpa, 09.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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