11.11.2009, 16:22
Selbstmord von Robert Enke: DFB sagt Chile-Länderspiel ab
Schock über den Suizid des Nationaltorhüters von Hannover 96: Der Deutsche Fußballbund und der chilenische Verband sind übereingekommen, das für Samstag angesetzte Freundschaftsspiel abzusetzen.
von Adalbert Siniawski
Teammanager Oliver Bierhoff kamen die Tränen, auch DFB-Präsident Theo Zwanziger war während einer Pressekonferenz anlässlich des Todes von Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke sichtlich betroffen. "Wir können das Länderspiel am Samstag gegen Chile nicht durchführen", begründete Zwanziger die Absage des Länderspiels.
Die Nationalspieler und Trainer Jogi Löw hätten bereits das Mannschaftshotel in Bonn verlassen und kehrten derzeit zu ihren Familien zurück, sagte Zwanziger. Erst am Sonntag kämen Team und Trainerstab wieder zusammen. Einige Spieler und Funktionäre, darunter Michael Ballack und Per Mertesacker, würden am Mittwochabend an einem Gedenkgottesdienst in Hannover teilnehmen.
Sportler mit Depressionen
Der Leistungssport und die Psyche
Enke litt vor seinem Selbstmord mehrere Jahre lang an schweren Depressionen. Das bestätigten seine Witwe, Teresa Enke, und der behandelnde Arzt, Valentin Markser, am Mittwoch in Hannover. Enke hatte am Dienstagabend Selbstmord begangen. In seinem Abschiedsbrief soll er sich bei seiner Familie und seinem Arzt entschuldigt. Nach Polizeiangaben gibt es keine Hinweise, die auf ein Fremdverschulden oder auf ein versehentliches Unglück hindeuteten. Enke wurde 32 Jahre alt.
Der Torhüter habe sich erstmals im Jahr 2003 in Behandlung begeben, sagte der Arzt. Ihm zufolge lehnte der Spieler bis zuletzt eine stationäre Behandlung ab, "auch am Tag des Selbstmords, weil es ihm besser gehe". Das Ausmaß der Depression hätte Enke gut verbergen können. Der Torhüter habe seine Krankheit geheim halten wollen, um sein Privatleben zu schützen und seine Karriere als Fußballprofi nicht zu gefährden.
"Ich habe versucht, für ihn da zu sein. Wir dachten, mit Liebe schaffen wir das, aber es geht nicht immer", sagte Teresa Enke. Sie gab einen sehr persönlichen Einblick in das Leben der vergangenen Jahre. 2006 war die herzkranke Tochter Lara im Alter von zwei Jahren gestorben. Sie litt an einem angeborenen Herzfehler und starb im Krankenhaus. Ihr Schicksal löste große Betroffenheit in der breiten Öffentlichkeit aus.
Ihr Mann habe große Sorge gehabt, aufgrund seiner Erkrankung das Sorgerecht für die im Mai adoptierte Leila zu verlieren. "Die Angst auch, dass man Leila verliert, wenn man einen depressiven Vater hat", sagte Teresa Enke mit stockender Stimme.
"Er war labil", sagte Martin Kind, Präsident von Hannover 96. Das sei wohl nach außen hin nicht aufgefallen. "Er hat das überlagert."
Teil 2: Von einem Regionalzug erfasst
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FTD.de, 11.11.2009
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