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Merken   Drucken   16.02.2010, 11:35 Schriftgröße: AAA

Causa Amerell: DFB schließt Untersuchung ab und kündigt Erklärung an

Hat der Schiedsrichterfunktionär Amerell den jungen Schiedsrichter Michael Kempter belästigt? Der Deutsche Fußball-Bund glaubt dem Referee und spricht von "starken und intensiven Belastungen". Als erstes soll das Schiedsrichterwesen reformiert werden.
von Jens Mende und Wolfgang Müller

Der DFB erhöht das Tempo, Liga-Präsident Reinhard Rauball  fordert in der brisanten Angelegenheit Amerell schon jetzt eine Neuordnung des Schiedsrichterwesens, und DFB-Chef Theo Zwanziger spricht Klartext. Eine Woche nachdem die Belästigungsvorwürfe gegen den ehemaligen Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell öffentlich geworden sind, hat Chefermittler und Verbands-Justiziar Jörg Englisch nach vielen Vernehmungen und Recherchen seinen internen Untersuchungsbericht fertig. Noch am Montag sollte der Bericht an die Entscheidungsträger des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) gehen. "Wir haben die Sache schnell und seriös im Hintergrund abgehandelt", sagte ein DFB-Sprecher.

Der von seinen DFB-Ämtern zurückgetretene Amerell hatte den Vorwurf zurückgewiesen, jemals den 27-jährigen Fifa-Referee Michael Kempter oder andere Referees belästigt zu haben. Der DFB sprach dagegen schon von Erkenntnissen, die die Vorwürfe gegen Amerell bekräftigen würden. Am Montag ist zudem ein Brief von Udo Konstantopoulos, Schiedsrichter in der Bayernliga, in der DFB-Zentrale eingetroffen. Der Referee soll über persönliche Beobachtungen im Zusammenhang mit Amerell berichtet haben.

Nach Auswertung des Berichts und weiterer Aussagen von anderen Schiedsrichtern will der Verband über Konsequenzen entscheiden. Kempter hatte die weitreichende Bedeutung des Falls angedeutet: "Es geht nicht nur um mich." Bis auf weiteres soll der 27-Jährige in der Bundesliga nicht mehr eingesetzt werden. Ob nun auch der DFB-Kontrollausschuss in der Angelegenheit aktiv wird, ist offen. Für die nächsten Tage kündigte der DFB eine neue Erklärung an.

Vor rund einer Woche wurde bekannt, dass Michael Kempter am 17. Dezember in einer E-Mail an Schiedsrichter-Obmann Volker Roth seinen Vorgesetzten Wolfgang Amerell beschuldigt, ihn sexuell belästigt zu haben. Amerells Anwalt beantragte Akteneinsicht und sagte: "Es wird interessant, was konkret an Vorwürfen kommen wird".

Schiedsrichter Michael Kempter brach sein Schweigen   Schiedsrichter Michael Kempter brach sein Schweigen

Nach den Aussagen von vier weiteren Schiedsrichtern hat DFB-Chef Zwanziger Amerells Rücktritt "absolut notwendig" genannt. "Amerell wird stark und intensiv belastet. Seinen Rücktritt von allen Ämtern halte ich für absolut notwendig", sagte der Präsident des DFB der "Bild-Zeitung" im Interview über den Ex-Referee, der alle Vorwürfe zurückgewiesen hat. Zwanziger hält es für möglich, dass sein Verband in der Angelegenheit um Amerell die Staatsanwaltschaft einschalten wird. "Das ist nicht ausgeschlossen. Wir müssen die Prüfung unserer Juristen abwarten", sagte er.

Reinhard Rauball, Präsident des Liga-Verbandes und als solcher auch Mitglied des DFB-Präsidiums, kritisierte in einem Interview mit der "Welt" dennoch das jüngste Krisenmanagement. "Es sind von allen zum Teil gravierende handwerkliche Fehler gemacht worden", sagte Rauball zu den Baustellen an der Spitze des deutschen Fußballs - von den mit viel Getöse geplatzten Vertragsverhandlungen mit Bundestrainer Joachim Löw bis hin zu den Ungereimtheiten bei den deutschen Spitzenreferees. "Es hat zu viel Tummeln in Eitelkeiten gegeben. Es gibt vieles, was den Grundsätzen eines geordneten Schiedsrichterwesens widerspricht", sagte Rauball.

Manfred Amerell ist von all seinen Sportämtern zurückgetreten   Manfred Amerell ist von all seinen Sportämtern zurückgetreten

"Das Schiedsrichterwesen darf kein Geheimorden sein"

Vor allem das Prozedere in der Causa Amerell entspreche auf den ersten Blick nicht dem, "wie man es auch angesichts der sensiblen Thematik hätte machen müssen". Erst mit einem Monat Verzögerung war der Hilferuf von Bundesligareferee Michael Kempter bei DFB-Präsident Zwanziger angekommen, der für die Schiedsrichter zuständige Vizepräsident Rainer Koch hat sogar das Aufgabengebiet abgegeben. Rauball selbst war erst am 2. Februar informiert worden. "Es stimmt, dass niemand der Beteiligten mit der derzeitigen öffentlichen Darstellung zufrieden sein kann", sagte der Liga-Präsident.

Auch deshalb musste Zwanziger kräftig aufs Tempo drücken. Neben Amerell und Kempter sind weitere Zeugen im Schnellverfahren angehört worden, darunter auch mehrere Schiedsrichter. Die Gefahr eines Flächenbrandes im Verband und in einem der wichtigsten Bereiche musste schnell gestoppt werden, zumal es auch zwischen den obersten Pfeifenmännern der Nation schon lange knistert, bestätigte Rauball. "Hier muss man sagen: Es geht auf Sicht nur mit einer personellen Neuordnung. Das Schiedsrichterwesen darf kein Geheimorden sein."

Beobachtungen über Amerell

Der besonders in die Kritik geratene Volker Roth, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses und damit entscheidender Mann bei allen Ansetzungen der Referees, soll auf dem nächsten DFB-Bundestag am 20./21. Oktober durch Herbert Fandel ersetzt werden. Doch auch der ehemalige Fifa-Referee und Konzertpianist ist in den Landesverbänden nicht unumstritten. Von einer vorzeitigen Amtsübernahme will Fandel selbst nichts wissen: Man müsse sicher über neue Strukturen nachdenken, doch: "Bei solch einer heiklen Angelegenheit darf es keine Schnellschüsse geben", sagte er im "Kicker".

  • dpa, 16.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
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