Es geht um viel Bares und den kürzesten Weg Richtung Fußball-Europa: In der Vorschlussrunde des DFB-Pokals locken Garantie-Einnahmen von 1,75 Millionen Euro, der große Reiz des attraktiven internationalen Auftritts gesellt sich für die Viertelfinal-«Underdogs» hinzu.
Augsburgs Torjäger Michael Thurk muss mit seinem Team gegen den 1. FC Köln ran.
Vor allem für die unterklassigen VfL Osnabrück, FC Augsburg und SpVgg Greuther Fürth hinzu: Noch zwei Siege bis zum Endspiel in Berlin am 15. Mai - und dann kann im günstigsten Fall für die Europa League geplant werden. Nationaltorhüterin Nadine Angerer ist «Glücksfee» und zieht in Osnabrück die Halbfinal-Lose.
Doch die Hürden in der Runde der besten Acht sind für die Außenseiter hoch: Fürth tritt bei Rekord-Titelträger Bayern München (14 Pokalsiege) an, Augsburg misst sich in einem weiteren Duell zwischen Zweit- und Erstligist mit dem 1. FC Köln. Der drittklassige «Pokalschreck» Osnabrück erwartet den viermaligen Cup-Gewinner Schalke 04 . «Der Wahnsinn geht weiter», sagte VfL-Trainer Karsten Baumann, der mit seiner Mannschaft nacheinander Hansa Rostock, den Hamburger SV und zuletzt Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb kegelte.
Die Favoriten sind gewarnt, an vorderster Front die Bayern: Am 14. August 1994 (0:1) blamierten sich die Münchner in der ersten Pokalrunde beim damaligen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth, der später mit der SpVgg Fürth fusionierte. Diesmal scheint die Rollenverteilung auch ohne den verletzten Angreifer Miroslav Klose klar: Das Starensemble von Louis van Gaal, der Franck Ribéry spielen lässt, aber auf Keeper Jörg Butt (Wadenverletzung) und Daniel van Buyten (Magen-Darm-Virus) verzichten muss, gewann zehn Pflichtspiele nacheinander, die Franken dümpeln als Zweitliga-Achter im Tabellen- Mittelfeld. Trotzdem mahnt Bayern-Kapitän Mark van Bommel: «Wir dürfen nicht überheblich werden.»
Das gilt auch für Schalke und Köln, zumal die «Kleinen» Großes vorhaben: «Den Traum von Berlin hat jeder Fußballer», sagte Michael Thurk, Zweitliga-Toptorjäger des FC Augsburg. Der Gegner aus dem Rheinland, gegen den es in der 2. Liga noch nie einen Sieg gab, reist selbstbewusst an: Der 1. FC Köln verlor keines seiner zurückliegenden acht Bundesliga-Auswärtsspiele und bewies beim 3:3 gegen den Hamburger SV nach einem 1:3-Rückstand große Moral.
Trainer Zvonimir Soldo, der als Spieler mit dem VfB Stuttgart 1997 den Pokal gewann, schärfte seiner Elf nach zuletzt neun Gegentoren vor allem eines ein: «Wir müssen in der Abwehr unsere Konzentrationsmängel abstellen.» Lukas Podolski gehört wieder zum Kader, wird aber im Gegensatz zu Maniche, der gegen den HSV wegen eines Trauerfalls fehlte, nicht in der Anfangsformation erwartet.
In Osnabrück wurden vor dem Auftritt der Schalker schöne Erinnerungen wach: Am 19. August 1989 bezwang der VfL die «Knappen» in der ersten Pokalrunde mit 3:1 nach Verlängerung. 1068 Wochen danach sieht sich der Tabellenführer der 3. Liga eindeutig in der Außenseiterrolle: «Schalke ist der ganz klare Favorit», sagte Osnabrücks Trainer Baumann. Manager Lothar Gans indes glaubt an den vierten Streich im laufenden Wettbewerb, «wenn wir nicht zu früh ein Tor fangen und einen sehr guten Tag erwischen».
Den großen Druck hat Schalke: «Wir stehen da in der Pflicht, weiterzukommen», sagte Torwart Manuel Neuer, der 2009/2010 im Pokal (4:0 bei Germania Windeck, 3:0 beim VfL Bochum, 3:0 bei 1860 München) noch keinen Treffer kassierte. Für Trainer Felix Magath sind die Vorgaben unmissverständlich: «Alles andere als das Erreichen der nächsten Runde wäre nicht akzeptabel.»
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