Eigentlich stehen auf der Fifa-Tagesordnung die Verabschiedung des Ethik-Kodex' und die Einsetzung der Vorsitzenden der beiden Kammern der Ethik-Kommission. Doch nach Bekanntwerden des Ausmaßes der Affäre um Schmiergelder in Millionenhöhe muss Blatter Stellung beziehen und sich auch gegen Rücktrittsforderungen wehren. Selbst Mitstreiter aus der Exekutive sind mittlerweile von dem 76-jährigen Schweizer abgerückt.
Nicht nur sein Wissen um Schmiergeldzahlungen an ranghohe Fifa-Funktionäre haben Blatter ins Kreuzfeuer der Kritik gerückt. Auch die Andeutungen des 76-Jährigen in einem Interview mit dem Schweizer "Sonntagsblick", dass es bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland Unregelmäßigkeiten gab, haben für eine Welle der Entrüstung gesorgt. Via "Bild"-Zeitung reagierte Blatter und korrigiert in einem offenen Brief seine Anschuldigung. Es gebe keine Beweise, dass bei der Vergabe an Deutschland etwas schief gelaufen sei. "Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien, sondern nur an Fakten", so Blatter in der "Bild"-Ausgabe von Dienstag. Den Brief unterzeichnete er mit "Ihr Sepp Blatter."
Die Untersuchungen gegen Korruption im Fußball ziehen inzwischen weitere Kreise. So wurde der ehemalige Fifa-Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam am Dienstag vom asiatischen Fußball-Verband (AFC) suspendiert. Wie die Organisation in Kuala Lumpur mitteilte, offenbarte die langwierige Prüfung von Verbandskonten neue Vorwürfe wegen finanziellen Fehlverhaltens. Der 63-jährige frühere AFC-Präsident wurde den Angaben zufolge für 30 Tage aus dem Verband ausgeschlossen.
Bin Hammam kämpft gegenwärtig auch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gegen eine Sperre des Fußball-Weltverbandes. Die Fifa hatte das frühere Mitglied des Exekutivkomitees am 23. Juli 2011 wegen Korruption auf Lebenszeit verbannt und von allen Funktionen im Fußball ausgeschlossen. Bereits am 29. Mai hatte ihn der Weltverband provisorisch von allen internationalen Fußball-Ämtern ausgeschlossen.
Die Fifa-Ethikkommission hatte einen versuchten Stimmenkauf durch den heute 63-Jährigen im Vorfeld der Präsidentenwahl des Weltverbands Anfang Juni 2011 als erwiesen angesehen. Der Beschuldigte soll auf einer Sondersitzung des Karibischen Fußball-Verbandes (CFU) am 10. und 11. Mai in Trinidad und Tobago versucht haben, CFU-Funktionäre mit Geldgeschenken in Höhe von jeweils 40 000 Dollar zu bestechen.
Bin Hammam hat alle Vorwürfe der Bestechung wiederholt zurückgewiesen. Seine erste Suspendierung hatte er im August 2011 als politische Entscheidung bezeichnet. Bin Hammam ist ein früherer Vertrauter von Fifa-Boss Joseph Blatter, hatte sich später jedoch gegen den Schweizer gestellt.