09.02.2010, 20:11
Nach Vertragsstreit: Burgfrieden beim DFB
Nach tagelangem Streit vereinbaren DFB-Führung und Bundestrainer, sich bis nach der WM zu vertragen. Verlierer ist Teammanager Oliver Bierhoff, der einen starken Gegner hat.
von Stefan Osterhaus
Was sind wir denn für Hornochsen?" Wolfgang Niersbach, der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bunds wirkte, als könne er es selbst nicht glauben, in welches Dilemma sich der DFB und das Trainerteam gebracht hatte. Die Sache mit der geplatzten Vertragsunterschrift sorgte für Schlagzeilen über Tage hinweg. Doch am Dienstag berief der Verband kurzfristig einen "Friedensgipfel" ein, und alle waren dabei: Manager Oliver Bierhoff, der angeblich zu dreist in seiner Forderung war, Bundestrainer Joachim Löw, Niersbach und Theo Zwanziger, der DFB-Präsident.
Es war eine Farce, und zwar von Anfang bis zum Ende, aber die Inszenierung war trotzdem sehenswert: Nacheinander krochen alle Beteiligten zu Kreuze und bekundeten den guten Willen, der doch hinter allem gesteckt haben soll. Bierhoff machte den Anfang, mancher konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier einer vorgeführt wird. Bierhoff sagte, dass die "Art und Weise der Präsentation die falsche war, die zu Verletzungen von Gefühlen geführt hat".
Auch Niersbach beanspruchte viel Redezeit. Er reagierte auf die Vorwürfe des Bayern-Chefs Karl-Heinz Rummenigge, der dem Verband die Indiskretion bei den Vertragsverhandlungen vorgeworfen hat: "Es sind leider Indiskretionen aufgetaucht. Wir werden keinen Maulwurfbeauftragten einführen, wir werden auch nicht weiter recherchieren. Da kommt der Deckel drauf." Hier und da sollte es menscheln, sowohl in den Ausführungen Bierhoffs wie Niersbachs. Doch beiden war die Anstrengung deutlich anzumerken, die ihnen der Auftritt abverlangte.
Zwanziger hatte dagegen eine staatsmännische Miene aufgesetzt, als er sagte: "Es geht um den deutschen Fußball. Keiner hat das recht, den Millionen Fans ein Szenario zu liefern, dass die Mannschaft sich aus der Verantwortung stiehlt." Erfolg sei nur mit Löw machbar. Bierhoff blieb ungenannt.
DFB-Präsident Theo Zwanziger (l.) und Bundestrainer Joachim Löw auf der Pressekonferenz
Doch in der Sache bewegten sich die DFB-Granden keinen Millimeter. Zwanziger sagte: "Wir wollen da keine Gespräche mehr führen, manchmal liegt das Glück auch darin, dass man etwas Zeit vergehen lässt." Im Kern heißt es nichts anderes, als dass alles so bleibt, wie es ist. Das Trainerteam fährt ohne einen neuen Vertrag zur WM, Löw und Bierhoff agieren auf Bewährung.
Teil 2: Noch shakespearesk oder schon byzantinisch?
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Aus der FTD vom 10.02.2010
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