Hin und wieder verbrennt er sich den Mund, seine Meinung aber lässt er sich nicht verbieten. Torhüter Frank Rost vom Hamburger SV ist bekannt als mündiger Fußball-Profi, der mit seinen Ansichten nicht hinterm Berg hält.
HSV-Keeper Frank Rost sagt auch neben dem Platz seine Meinung.
Doch das hätte ihn auch den gut dotierten Job beim hanseatischen Bundesligisten kosten können. Im Oktober dieses Jahres hatte er sich gegen die Verpflichtung von Spielerberater Roman Grill als Sportdirektor ausgesprochen und damit den Unmut von Vereinschef Bernd Hoffmann auf sich gezogen. Vor wenigen Tagen rügte er den Verein, weil dieser immer noch nicht mit ihm über die Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrages gesprochen habe. Danach wurde er von Vorstand und Trainer erneut gemaßregelt.
Trotz der Misstöne: Der 36-Jährige darf ein weiteres Jahr beim HSV bleiben. Zwar ist noch nichts in Papier und Tüten, doch Rost hat bereits ein positives Signal von Trainer Bruno Labbadia erhalten: «Der Trainer hat mir mitgeteilt, dass er noch ein weiteres Jahr mit mir zusammenarbeiten will.» Für Rost eine erlösende Aussage, schließlich war in den Wochen zuvor spekuliert worden, ob der ablösefreie tschechische Torhüter Jaroslav Drobny vom Liga-Rivalen Hertha BSC ihn im HSV-Kasten beerben wird.
«Wir wollen Typen in unserer Mannschaft. Wir wollen Spieler, die Stellung beziehen», sagt Labbadia mit Blick auf Rost, der im HSV-Trikot seit Januar 2007 bislang 101 Bundesliga-Spiele absolviert hat. Länger stand er nur bei Werder Bremen (147 Spiele) und Schalke 04 (130) zwischen den Pfosten. Obwohl sich der gebürtige Chemnitzer auch Teamkameraden zu Brust nimmt, wenn diese auf dem Rasen Fehlleistungen produziert haben, ist er in der Mannschaft anerkannt und unumstritten. «Er ist ein hervorragender Torwart und ein großer Rückhalt. Er ist als Führungsspieler unglaublich wichtig», lobt Kapitän David Jarolim den Schlussmann. Shooting-Star Eljero Elia sieht das nicht anders. «Frank Rost ist ein Mann mit Charakter. Ich habe großen Respekt vor ihm.»
Auch neben dem Platz macht der Sachse, dessen Eltern herausragende und olympisch dekorierte Handball-Nationalspieler der DDR waren, eine gute Figur. Er engagiert sich im Verein «Herzenswünsche e. V.» für schwer erkrankte Kinder und Jugendliche, setzt sich im «Fanrechte Fonds» für die Interessen der Fußball-Anhänger ein und unterstützt die Initiative «Hamburger Weg» des HSV für soziale Projekte. «Fußball ist spannend und wichtig, aber es gibt auch viel Wichtigeres im Leben», versichert der Torhüter.
Wenn der HSV in den kommenden Wochen oder Monaten seinen neuen Sportchef präsentiert, wird sich Rost mit öffentlichen Statements zurückhalten. Nachdem er seine Sympathie zu Ex-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer bekundet («ein integrer Mensch, der für den HSV gestanden hat») und Kandidat Roman Grill wegen dessen Spielerberatertätigkeit als ungeeignet für den Sportchef-Posten bezeichnet hatte, möchte er in seinem vermutlich letzten HSV-Jahr nicht für neuen Zwist sorgen. Zumal der Torhüter, der nebenbei Betriebswirtschaftslehre studiert, nach seiner aktiven Zeit zwischen den Pfosten gern auf die andere Seite des professionellen Spiels wechseln will: Rost will Manager werden.
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