Nun gibt Gerhard Gribkowsky also wenigstens zu, dass er 44 Mio. Dollar an Schmiergeld kassiert hat. Ausgerechnet der Risikochef einer Bank, die mit Steuergeldern hantiert und von der Politik beaufsichtigt wird. Dass er es überhaupt annahm, der gut bezahlte BayernLB-Vorstand, ist armselig. Ebenso, dass er so lange damit zögerte, ein Geständnis abzulegen - mit dem Kalkül, ein gnädiges Urteil zu bekommen. Aber er könnte nun immerhin für einen Umbruch in einem der größten und undurchsichtigsten Konzerne der Welt sorgen: der Formel 1 unter ihrem unheimlichen Herrscher Bernie Ecclestone.
Es soll immer noch Menschen geben, die ein Formel-1-Rennen für Sport halten. Das ist es allenfalls nebenbei. In erster Linie ist es eine globale Werbeplattform, die alle zwei Wochen Millionen Menschen stundenlang vor den Fernseher lockt, damit sie sich ununterbrochen Werbung für Autohersteller und für Produkte der Sponsoren ansehen. Das ist lukrativ: Die Autohersteller zahlen an die Formel 1, damit sie bei dieser Werbeserie mitfahren dürfen; die Sponsoren, damit sie werben dürfen; die Rennstrecken, damit die Serie bei ihnen gastiert; und die Fernsehsender für die Ausstrahlungsrechte.
Doch obwohl es bei diesem Unternehmen um Milliarden geht, ist es dubios konstruiert: Alle Macht liegt beim einstigen Gebrauchtwagenhändler Bernie Ecclestone, das Risiko dagegen bei den Autoherstellern und Eignern wie der Private-Equity-Firma CVC - oder früher der BayernLB. Das hat mit fairer Lastenverteilung ebenso wenig zu tun wie mit modernen Governance-Regeln. Doch Ecclestone konnte bisher alle Versuche von Entmachtung oder Aufklärung abwehren. Trotz aller Korruptionsskandale, Affären und Machtkämpfe. Politiker und Unternehmer hofierten ihn lieber, als sich mit ihm anzulegen.
So skandalös es daher ist, dass Gribkowsky sich hat bestechen lassen - mit seinem Geständnis, dass die Summe von Ecclestone kam, könnte er derjenige sein, der den Formel-1-Herrscher zu Fall bringt und so für ein wenig Sauberkeit und Durchblick im Milliardenzirkus sorgt. Und endlich sollten auch die Autohersteller realisieren, dass Ecclestone und die Konstruktion der Formel 1 eine Gefahr sind für das Image der Rennserie - und für ihre teuren Autos, die sie damit bewerben wollen. Da möchte man Gribkowsky fast Danke sagen. Fast.