Sebastian Vettel gilt als Perfektionist, der ohne Manager auskommt
Der Zimmermannssohn aus dem hessischen Heppenheim raste schon als Formel-1-Lehrling in die Rekordbücher der Königsklasse. Jüngster Pilot auf Pole Position, jüngster Spitzenreiter in einem Grand Prix, jüngster Rennsieger und jetzt jüngster Weltmeister – vor Vettel scheint kaum eine Bestmarke sicher. Kann "Jung-Siegfried", wie ihn Red-Bull-Firmenchef Dietrich Mateschitz einmal nannte, in den kommenden Jahren die Vollgasbranche so dominieren wie einst sein Vorbild Schumacher?
"Ich bin überzeugt, dass Sebastian Vettel als Kind und Jugendlicher genau jeden Schritt meiner Karriere verfolgt hat und heute davon profitiert", sagt Schumacher. "Sebastians Stärke ist, dass er im richtigen Moment die richtigen Fäden zieht und das Maximum aus sich herausholen kann."
Vor allem aber ist Beatles-Fan Vettel, der noch immer auf einen Manager verzichtet, in seiner dritten kompletten Formel-1-Saison endgültig als Rennfahrer erwachsen geworden. Die Rückschläge, die den Wahl-Schweizer immer wieder im Titelkampf ausbremsten, haben ihn reifen lassen - auch wenn er abseits der Strecke noch immer den schlagfertigen Lausbuben gibt. "Ich habe meine Lektionen gelernt", sagt Vettel, der auf den beißenden britischen Humor der Monty-Python-Truppe abfährt. "Sebastian macht keinen Fehler zweimal", lobt sein Teamchef Christian Horner.
Vom "Baby-Schumi" zum "Super Seb"
Schon längst spricht auch der Boulevard nicht mehr vom "Baby Schumi", sondern vom "Super Seb". Mehr als 100.000 Fans strömten im Juli zu seinem "Home Run", als er in seiner Heimatstadt an der Bergstraße auf eigenen Wunsch eine Show im Formel-1-Auto abzog.
Mit dem Rennsportvirus hat ihn Vater Norbert infiziert, der im VW Golf Bergrennen fuhr. Als Vierjähriger drehte Vettel auf dem Grundstück seines Elternhauses die ersten Runden im Kart, bald mischte er bei den ersten Rennen mit. Über Erfolge in der Formel BMW und der Formel 3 diente sich der Abiturient mit Notenschnitt 2,8 zum Formel-1-Testpiloten bei BMW-Sauber hoch. Bei seinem ersten Einsatz als Freitagsfahrer war er 2006 in der Türkei prompt der Schnellste.
Nach seinem Grand-Prix-Debüt in Indianapolis am 17. Juni 2007 als Ersatz für den verunglückten Robert Kubica gab BMW ihn schweren Herzens für das Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso frei. Der Rest ist ein Erfolgsmärchen wie aus 1001 Nacht mit dem bisher schönsten Kapitel vor der passenden Kulisse im Wüsten-Emirat Abu Dhabi.