Vettel-Runden im Akkord nach stundenlanger Reparatur
Nach fünf Stunden Zwangspause spulte Sebastian Vettel die Runden im Akkordtempo ab. Elektronik- und Motorenprobleme hatten den neuen Red Bull zum Abschluss der Formel-1-Testfahrten in Jerez de la Frontera stundenlang außer Betrieb gesetzt.
Sebastian Vettel wird von den Red-Bull-Mechanikern in die Box geschoben. Foto: David Ebener
Der Doppelweltmeister erlebte lange einen frustrierenden Freitag. Aber mit einem versöhnlichen Ende: Bei seinem nachmittäglichen Kurzeinsatz erzielte Vettel im RB8 die drittbeste Zeit. Doch darauf hatte der Heppenheimer warten müssen. Nach zwei Einführungsrunden war er morgens wieder in Red-Bull-Box gefahren. Und dort blieb er eine ganze Weile. «Sowas gehört einfach zu einem Test dazu, das ist der Grund, warum wir hier sind», kommentierte Vettel die Probleme relativ cool. Sorgen klingen anders.
Dennoch hatten Mechaniker und Ingenieure mit Hochdruck hinter verschlossenen Toren nach der Ursache geforscht. Wie sich herausstellte, war es ein Defekt in der Elektronik. Ein erneuter Fahrversuch wurde nach ein paar Metern in der Boxengasse abgebrochen, Mechaniker eilten zum Red Bull, um ihn zurückzuschieben. Diesmal muckte der Motor. «Natürlich würden wir gerne mehr fahren, aber das lässt sich jetzt nicht ändern», sagte Vettel in der Zwangspause. Erst nach rund fünf Stunden kehrte er auf den Kurs zurück.
Dabei zählt jeder Kilometer mit dem neuen Auto. Wichtig sei, «dass wir viel fahren», hatte Vettel nach seinem ersten Auftritt mit dem RB8 betont. Während sich andere Teams eine kleine Mittagspause gönnten, wechselten die Red-Bull-Mechaniker vorsichtshalber den Renault-Motor, der im vergangenen Jahr so gut wie keine Probleme bereitet hatte. Und danach lief es wieder: Vettel drehte 50 Runden auf dem 4,42 Kilometer langen Circuito de Jerez.
Lediglich Fernando Alonso (Spanien) im Ferrari mit der Tagesbestzeit zur Beruhigung der bereits aufgebracht Tifosi-Gemüter und Toro-Rosso-Neuzugang Jean-Eric Vergne (Frankreich) waren schneller. Ex-Weltmeister Lewis Hamilton trotz deutlich mehr Runden dagegen nicht. Der Brite hatte im McLaren-Mercedes als Fünfter allerdings auch nur einen minimalen Rückstand von 34 Tausendstelsekunden. Auf Rang sieben kam Nico Hülkenberg aus Emmerich bei seinem ersten Testtag als neuer Stammfahrer von Force India.
Landsmann Vettel kostete die stundenlange Warterei und Schrauberei Kilometer und wichtige Daten. Bis dahin hatte im Red-Bull-Team eine sichtbar entspannte Stimmung geherrscht. Und auch Vettels Eindruck vom neuen Gefährt war gut, «das erste Gefühl passt», hatte er gesagt. Wie wichtig genau das ist, erklärte Vettel anschließend: «Es prägt einen für das ganze Jahr, würde ich sagen.» Man dürfe es allerdings auch nicht überbewerten.
Denn bei den Auftakttests heißt die Devise auch: Vorsicht! «Gerade am Anfang, mit einem neuen Auto, wenn es noch keine Ersatzteile gibt, gibt es keinen Grund, loszulegen wie ein Stier», hatte Vettel gemeint. «Das heben wir uns für später auf.»
Red Bulls Vorteil ist, dass in Lotus, Williams und Caterham gleich drei weitere Teams mit Motoren des französischen Autobauers unterwegs sind, und somit eine Vielzahl von Daten vorliegt. Bis zum nächsten Test vom 21. bis 24. Februar auf dem Circuit de Catalunya bei Barcelona sollten die Probleme gelöst sein.
Vom 1. bis 4. März stehen für Vettel & Co dann die letzten Testrunden auf dem Programm, bevor sich der 24 Jahre alte Heppenheimer am 18. März beim Großen Preis von Australien über die gesamte Renndauer den entscheidenden Eindruck vom neuen RB8 verschaffen kann.
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