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Merken   Drucken   04.01.2008, 16:05 Schriftgröße: AAA

Angst vor Terrorismus: Rallye Dakar abgesagt

Islamistische Terroristen haben einen traurigen Sieg errungen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Rallye Dakar haben die Veranstalter das Rennen in der Wüste aus Sicherheitsgründen abgesagt.
Techniker nehmen in Lissabon bei einem Fahrzeug für die Rallye ...   Techniker nehmen in Lissabon bei einem Fahrzeug für die Rallye Dakar die Startnummern ab.
Es ist das erste Mal in der Historie des internationalen Spitzensports, dass ein Großereignis wegen einer terroristischen Bedrohung ganz gestrichen wurde. Der Schreck über den Mord an vier französischen Touristen an Heiligabend in Mauretanien sitzt Veranstaltern und Teilnehmern tief in den Knochen. Die Rallye sei «eine Geisel der Räuber, der Terroristen und der Fanatiker geworden», sagte der fünfmalige Dakar-Sieger Ari Vatanen (Finnland).
Etienne Lavigne verkündet in Lissabon die Absage.   Etienne Lavigne verkündet in Lissabon die Absage.
Rallye-Leiter Etienne Lavigne begann das Kommuniqué in Lissabon mit den Worten: «Ich habe eine schlimme Nachricht: Dakar 2008 wird nicht starten.» Es habe direkte Drohungen terroristischer Gruppen gegeben, teilte der Veranstalter Amaury Sport Organisation (A.S.O.) mit. «Die oberste Verantwortung ist, die Sicherheit aller zu gewährleisten», betonte die Organisation, die auch für den Radsport- Klassiker Tour de France verantwortlich ist. Die Sicherheit bei der Rallye Dakar könne niemals Gegenstand von Kompromissen sein. Unmittelbar nach der Absage wurden erste Forderungen nach Schadenersatz laut. Die portugiesische Stadt Portimao, durch die der Motorsport-Klassiker in seiner 30. Auflage führen sollte, verlangte von der A.S.O. 1,5 Millionen Euro für entstandene Kosten zurück.
Einige Fahrer lehnen frustriert an ihren Fahrzeugen.   Einige Fahrer lehnen frustriert an ihren Fahrzeugen.
Deutschlands Rallye-Star Jutta Kleinschmidt, die 2001 als erste und bisher einzige Frau den Klassiker gewonnen hatte, reagierte geschockt. «Ich fühle auch mit allen Teilnehmern, die sich ein Jahr mit viel Herzblut, finanziellem Engagement und Arbeit auf diese Rallye vorbereitet haben», sagte die Kölnerin, die in diesem Jahr erstmals nach 17 Jahren nicht gemeldet hatte, der Deutschen Presse- Agentur dpa. «Hoffentlich kann die Rallye Dakar diesen Rückschlag verkraften.» Der Kölner Matthias Kahle, der 2006 für VW erstmals dabei war, stellte fest: «Es ist schlimm, dass Terroristen alles so beeinflussen, dass die freie Welt eben doch nicht so frei ist.»
Ein Auto fährt 2007 in der Wüste an einer Sanddüne vorbei.   Ein Auto fährt 2007 in der Wüste an einer Sanddüne vorbei.
Die französische Regierung hatte mehrfach vor Reisen nach Mauretanien gewarnt. Das Sicherheitsrisiko gelte auch für die Rallye Dakar, hatte ein Regierungssprecher betont. Einen Tag vor dem geplanten Start zogen die Veranstalter die Notbremse. Eine Streichung der mauretanischen Strecke schien keine Lösung, denn 8 von 15 Teilstrecken führen durch Mauretanien, und in der mauretanischen Sahara ist die Tour besonders anspruchsvoll.
Die Fahrer und Mechaniker stehen nach der Ankündigung zusammen.   Die Fahrer und Mechaniker stehen nach der Ankündigung zusammen.
A.S.O sei sich der «immensen Frustration» in den beteiligten Ländern Portugal, Marokko, Mauretanien und Senegal bewusst, so die Organisatoren. «Die Rallye Dakar ist ein Symbol, und ein Symbol kann nichts zerstören. Die Absage der Auflage 2008 stellt in keiner Weise die Zukunft der Dakar infrage», betonten die Veranstalter. 2009 solle allen Anhängern der Rallye «ein neues sportliches Abenteuer» geboten werden.
Etienne Lavigne schaut bei eine Pressekonferenz nachdenklich.   Etienne Lavigne schaut bei eine Pressekonferenz nachdenklich.
Seit 1978 begeistert die Wüsten-Rallye Abenteuer-Fans aus aller Welt. Der Franzose Thierry Sabine, der 1986 bei der Dakar bei einem Hubschrauber-Absturz ums Leben kam, gründete die Rallye. Die ursprüngliche Strecke führte von Paris nach Dakar, später variierte die Tour mehrfach. Es dürfen Autos, Motorräder und Lastwagen teilnehmen. Bei den bislang 29 Ausgaben kamen 55 Menschen ums Leben.
Die 30. Auflage sollte 9273 Kilometer lang sein, 570 Teilnehmer, 60 mehr als 2007, waren angemeldet. Scharfe Kritik an der Absage übte die ehemalige DTM-Siegerin Ellen Lohr, die in diesem Jahr zum viertenmal an der Wüsten-Rallye teilnehmen wollte: «Es war eine Fehlentscheidung der Organisation, sich der Regierung zu beugen. Wir hätten starten und wenigstens durch Marokko fahren sollen.» Volkswagen wollte 2008 die Siegesserie von Mitsubishi beenden. Die Japaner haben siebenmal hintereinander und insgesamt 12 Mal das Rennen durch die afrikanische Wüste für sich entschieden.
Die Terrorgruppe im islamischen Maghreb ist im vergangenen Jahr aus der algerischen Gruppe GSPC hervorgegangen. Sie hatte sich unter anderem zu dem doppelten Selbstmordanschlag in Algier am 11. Dezember bekannt, bei dem nach offiziellen Angaben mehr als 40 Menschen getötet wurden, unter ihnen 17 UN-Mitarbeiter. Experten gehen von einer Nähe zum El-Kaida-Terrornetz von Osama Bin Laden aus, da algerische Terroristen früher nie Selbstmordattentate verübten. Nach den Anschlägen vom Dezember hatten die Veranstalter der Rallye Dakar zunächst geplant, 3000 private Sicherheitskräfte einzusetzen, um die Tour zu ermöglichen.
  • dpa, 04.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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