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Merken   Drucken   13.02.2011, 16:36 Schriftgröße: AAA

Ski WM: Riesch trotzt Krankheit und holt Bronze

Es war "nur" der dritte Platz und doch fühlt sich die angeschlagene Riesch wie die Siegerin. Bei den Herren liegt der Kanadier Guay vorn. Mit zwei Medaillen zeigen sich die Deutschen nach der ersten WM-Woche zufrieden und angriffslustig.
Maria Riesch hustete auf dem Siegerpodest, ballte die Faust und freute sich über die zweite Bronzemedaille bei ihrer Heim-WM wie der "glücklichste Mensch". Fast hätten die tausenden Fans die Doppel-Olympiasiegerin noch zu Abfahrtsgold bei der Weltmeisterschaft geschrien, aber beim Sieg von Elisabeth Görgl (Österreich) fühlte sich die durch eine Grippe geschwächte und ohne echtes Training gestartete Riesch auch so wie eine Gewinnerin. "Ich habe alles versucht und das ist belohnt worden. Die Medaille hat einen speziellen Stellenwert unter den Voraussetzungen", sagte die 26-Jährige am Sonntag und verspürte "Erleichterung, zwei Medaillen gewonnen zu haben".
Maria Riesch war mit ihrem dritten Platz in der WM-Abfahrt sehr ...   Maria Riesch war mit ihrem dritten Platz in der WM-Abfahrt sehr glücklich.
Wie schon im Super-G gab es für Riesch auch in der Schussfahrt, diesmal gleich hinter Lindsey Vonn (USA), Bronze zu bejubeln. Nach fünf von zehn Einzel-Rennen liegt der Deutsche Skiverband (DSV) trotz einer fast unglaublichen Verletzungs- und Krankheitsmisere in seinem Team auch ohne das erhoffte Gold mehr als im Soll.
"Ich bin saufroh", meinte Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der neben der weiteren Genesung von Riesch auf eine Rückkehr der kranken Viktoria Rebensburg und der angeschlagenen Kathrin Hölzl setzt. "Ich hoffe, dass wir uns zum nächsten Wochenende hin stabilisieren und als Team auftreten - nicht nur mit Medizinern, Trainern und Betreuern, sondern mit Sportlern."
Bislang musste Riesch, auch angesichts des Fehlens einer schlagkräftigen Mannschaft bei Speed-Herren und -Damen, wieder einmal alleine für die Erfolge sorgen. Zudem untermauerte sie ihren Ruf als Stehauffrau. Wie bei der WM 2009, als sie nach Sturz und Enttäuschungen Slalom-Gold holte, oder bei Olympia, als sie nach einer missglückten Abfahrt zweimal Gold gewann, schlug auch diesmal die Stunde der "Kämpfernatur", wie sie sich selbst überglücklich im Zielraum bezeichnet. "Augen zu und durch, immer kämpfen." Zwar sprach sie bei der Siegerpressekonferenz auch den göttlichen Beistand nach dem Besuch des Kirchenzelts an, aber vor allem dürfte es ihre Extra-Klasse gewesen sein.
Alpine Ski-WM Schnee-Festspiele in Deutschland
"Maria bringt außergewöhnliche Leistungen", sagte Maier über die "Hammervorstellung". In den Tagen von Garmisch-Partenkirchen hatte er sich schon über das verwaiste Mannschaftshotel gewundert. "Man hat eine Woche hinter sich, in der man fast keine Mannschaft mehr hat. Ich war schon bei vielen Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, aber die Erwartungshaltung bei einer Heim-WM ist schon außergewöhnlich."
Und das Verletzungspech auch: Am Wochenende erwischte es Andreas Sander, der sich bei seinem Abfahrtssturz das Innenband im rechten Knie riss. Tobias Stechert belegte beim Erfolg von Erik Guay (Kanada) den 31. Platz.
Geheimfavorit Guay beerbete als Weltmeister dagegen seinen verletzt fehlenden Landsmann John Kucera. Als die Gewinnerinnen der Damen-Schussfahrt am Sonntag geehrt wurden, schlenderte der Kanadier lässig am Fuße der "Kan(a)dahar" umher. Hinter seiner Sonnenbrille verbarg er die Augen nach einer durchfeierten Nacht, das Band seiner Goldmedaille lugte unter der Jacke hervor.
Gleich zweimal Gold gab es bislang schon für "Lizz" Görgl, Sängerin des offiziellen WM-Liedes. Wie im Super-G war die Österreicherin auch in der Abfahrt zu schnell für die Konkurrenz - und staunte am Zielraum-Mikro über sich selbst. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich glaub', ich mag die Strecke", stammelte die 29-Jährige nach dem dritten österreichischen Gold im dritten Damen-Rennen. "Ich hatte das Lied jetzt länger nicht gehört, aber heute am Start. Das hat mich inspiriert", meinte Görgl.
Nicht nur für die Österreicher läuft es perfekt. Auch die Veranstalter bekamen Lob - Weltverbands-Präsident Gian Franco Kasper bescheinigte eine "tadellose Organisation". Und die deutschen Alpinen wollen dem Heim-Publikum in der zweiten Woche weiteren Grund zur Freude bescheren. "Ein bisschen ist der große Druck jetzt weg und die anderen können ein bisschen befreiter auffahren", sagte Riesch. "Ich werde weiterkämpfen und das Beste rausholen."
  • dpa, 13.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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