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Merken   Drucken   18.01.2009, 14:41 Schriftgröße: AAA

EM-Titel für «frustrierten» Lange

In der Wiege des Bobsports hat sich André Lange mit dem siebten EM-Titel fünf Wochen vor der WM im kleinen Schlitten eindrucksvoll zurückgemeldet.
Pilot Lange (l) und sein Bremser Putze ließen die Konkurrenz ...   Pilot Lange (l) und sein Bremser Putze ließen die Konkurrenz hinter sich.
Mit Nervenstärke und fahrerischer Extraklasse holte sich der Doppel-Olympiasieger in St. Moritz mit Martin Putze den kontinentalen Titel und zog mit dem bisherigen Rekordchampion Christoph Langen gleich. Im Viererbob musste er als Dritter ins Rennen und wurde erneut Opfer der Startnummern-Lotterie. Zudem lief sein Gefährt in der Endgeschwindigkeit nicht wie gewünscht. Am Ende landete Lange im parallel ausgetragenen Weltcup auf Rang neun, was am Ende Platz sieben in der EM-Wertung bedeutete.
Thomas Florschütz, der unmittelbar nach dem Abschlusstraining dank seines Mechanikers noch einen gravierenden Einstellungsfehler im FES- Bob beheben konnte, raste im Viererbob hinter den siegreichen Russen Alexander Subkow auf Rang zwei. Karl Angerer aus Königssee wurde mit 2/100 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen Dritter. «Das ist total super. Mein bislang bestes Ergebnis im Vierer», jubelte Florschütz, dessen Trainer Gerd Leopold die Glückwünsche direkt an Mechaniker Bernd Steinecker weitergab: «Er hat unmittelbar nach dem Abschlusstraining einen schweren Einstellungsfehler gefunden. Das war der Schlüssel zum Erfolg.»
Lange, der wie Florschütz einen FES-Bob fährt, war sichtlich frustriert: «Der Start war super, der Lauf war super, den Rest habt ihr gesehen.» Ob es an dem Bob lag? «Dazu sage ich nichts», meinte Lange, der vor seinem Zweierbob-EM-Titel bereits die ganze Nacht geschraubt hatte. Angerer war mit dem Gewinn seiner ersten internationalen Medaille überglücklich: «Ich hatte zwar zweimal den gleichen Fehler im `horse shoe`, doch über EM-Bronze bin ich total happy.»
Während Angerer mit einem nagelneuen Singerbob unterwegs ist und bereits zwei Weltcupsiege im Viererbob verbuchen konnte, verladen Lange und Florschütz ihre FES-Bobs mit einem unguten Gefühl zu den restlichen Weltcups und zur WM nach Übersee. «Wir können jetzt nicht einfach das komplette System wechseln. Ich bin auch nicht für einen Schnellschuss, wir müssen erstmal genau analysieren und dann mit den zuständigen Experten uns austauschen», meinte Bundestrainer Carsten Embach und verwies auf die fahrerisch anspruchsvollen Pisten in Whistler und Lake Placid. Intern laufen aber bereits Diskussionen an, ob es wie zuletzt bei der Heim-WM in Altenberg sinnvoll ist, erneut kurzfristig auf einen Bob der Rosenheimer Firma Singer umzusteigen.
Vor seinem Titelgewinn im Zweierbob hatte Lange stundenlang getüftelt. «Wir haben jede Schraube bewegt und den halben Schlitten gewechselt», betonte der 35-Jährige, der seine Ausbeute bei kontinentalen Titelkämpfen auf siebenmal Gold, sechsmal Silber und viermal Bronze erhöhte - so viele Medaillen hat kein anderer.
  • dpa, 18.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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