Oberhof ist seit Montag um eine touristische Attraktion und die Skisportler um eine weltweit einmalige Trainingsstätte reicher. «Das ist das Beste, was ich je gesehen habe», sagte der zweimalige Skilanglauf-Weltmeister Axel Teichmann (Bad Lobenstein).
Langläufer trainieren in der neuen Skisporthalle in Oberhof.
Die in nur 15 Monaten errichtete Skisporthalle wurde von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Ministerpräsident Dieter Althaus (beide CDU) offiziell übergeben. «Die Halle haben sich die Sportler mit ihren Leistungen selbst erarbeitet», sagte Schäuble. Die Anlage sei eine Investition, «um die großartige Erfolgsgeschichte des deutschen Wintersports fortzuschreiben» und eine ungewöhnliche Investition, die in ungewöhnlich kurzer Zeit umgesetzt worden sei.
Damit spielte Schäuble darauf an, dass es während der Olympischen Winterspiele in Turin die ersten ernsthaften Gespräche zum Bau der Halle gegeben habe, die dann in exakt 15 Monaten erstellt wurde. «Das ist ein großer Tag für den deutschen Sport und eine neue Dimension für den Skisport», schätzte auch DOSB-Präsident Thomas Bach ein, der seit Turin in die Gespräche eingebunden war.
Der «bestgedämmte Kühlschrank Deutschlands» bietet bei Temperaturen um minus vier Grad Celsius eine abwechslungsreiche, fast zwei Kilometer lange Loipe, die durchgängig mit 30 Zentimeter Kunstschnee belegt ist. Das ohne Mehrwertsteuer rund 14,7 Millionen Euro teure Gebäude hat 10 000 Quadratmeter überdachte Nutzungsfläche.
Neben den Loipen und dem Sanitärbereich gibt es in der dem kupierten Geländeverlauf angepassten Halle auch ein Sportgeschäft mit Skiausleihe und ein Bistro. Deren Heizung erfolgt über Wärmeaustauscher von der Kühlung. Im kommenden Jahr soll noch ein 50 Meter langer Schießstand mit vier Bahnen für die Biathleten angebaut werden. Der Kunstschnee wird im zwölf Meter hohen Zentralbereich hergestellt und von da aus auf die Loipen verteilt. Im Notfall könnte bei schlechten Witterungsbedingungen auch das Biathlon-Stadion belegt werden, zu dem es einen separaten Ausgang aus der Halle gibt.
Zu den auf rund 700 000 Euro geschätzten jährlichen Betriebskosten sollen auch die Einnahmen aus der touristischen und breitensportlichen Nutzung beitragen. Die Hallenöffnungszeiten teilen sich je zur Hälfte der Leistungs- und Breitensport. Errechnet wurde, dass die Halle voraussichtlich nur etwa ein Drittel des Energieverbrauchs wie die Bob- und Rodelbahn nebenan benötigen wird.
Die Halle ist vom 1. September an für den Publikumsverkehr geöffnet wird. Die Oberhofer Anlage ist der fünfte Skitunnel in der Welt und der einzige, bei der es Loipen-Anstiege bis zu 12 Prozent gibt. Bisher gab es zwei Anlagen in Finnland, eine im schwedischen Torsby und eine im sibirischen Chanty Mansijsk. «Ein Riesenvorteil werden auch die gewonnenen Regenerationszeiten und der geringer werdende Reisestress sein», sagte Teichmann.
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