Die millionenschweren NBA-Stars tanzten wie kleine Kinder über das Parkett. Mit einer goldenen Version des Maskottchens der Paralympics in der Hand und USA-Fahnen um den Hals hüpften die Ausnahmespieler aus der besten Basketball-Liga der Welt durch die Halle und bejubelten ihren Olympiasieg von London. LeBron James und Co. waren sichtbar erleichtert, die Mission Gold zu einem erfolgreichen Ende gebracht und den Triumph von Peking 2008 wiederholt zu haben.
Wie vor vier Jahren in der chinesischen Hauptstadt mussten sich die US-Boys beim 107:100 (59:58) im Endspiel gegen Spanien richtig strecken. Der ebenfalls mit NBA-Stars gespickte Europameister verlangte den Amerikanern alles ab und brachte den haushohen Favoriten phasenweise sogar ins Wanken. Am Ende setzte sich die große individuelle Qualität von James und seinen Mitstreitern durch.
"Glückwunsch an unsere beiden Basketball-Teams, die Gold nach Hause gebracht haben. Ihr habt uns alle sehr stolz gemacht", ließ US-Präsident Barack Obama via Twitter übermitteln. Am Samstag hatten sich bereits die US-Damen zum fünften Mal in Serie Gold gesichert.
Überragender Akteur bei den US-Boys war Kevin Durant mit 30 Punkten. "Es gab für uns die ganze Zeit nur ein Ziel: Gold für unser Land zu gewinnen", sagte Durant. "Ich bin überglücklich. Ich konnte heute Nacht nicht schlafen, weil ich so aufgeregt vor dem Spiel war. Jetzt bin ich einfach nur froh, dass wir das Double haben", sagte Durant. Vor zwei Jahren hatte er die USA in der Türkei bereits zum Weltmeistertitel geführt.
Für Kobe Bryant war das Gold von London etwas ganz Besonderes, weil es sein letztes sein wird. "Das war es für mich. Wir haben genügend Jungs, die die Reise weitergehen können", sagte der Topathlet von den Los Angeles Lakers. Im Nationalteam wird man Bryant nicht mehr sehen. Bei den Spaniern kam sein Club-Kollege Pau Gasol auf 24 Zähler.
Zuvor hatte sich Russland durch ein 81:77 gegen Argentinien die Bronzemedaille gesichert. Die deutschen Basketballer um Dirk Nowitzki hatten die Qualifikation für London verpasst.
Wie das Spiel um Platz drei war auch das Finale lange spannend. Als Spaniens Trainer Sergio Scariolo 37 Sekunden vor dem Ende beim Stand von 104:95 für die USA seine Stammspieler um den überragenden Pau Gasol vom Parkett nahm, hatten die US-Boys ihren Gold-Auftrag erfüllt. James und Bryant fielen sich auf dem Feld in die Arme, auf der Bank wurden die ersten US-Banner geschwenkt. Es war vollbracht.
Zum letzten sportlichen Highlight vor der Schlussfeier hatte sich noch einmal viel Prominenz in der North Greenwich Arena eingefunden. IOC-Präsident Jacques Rogge gab sich ebenso die Ehre wie Londons Bürgermeister Boris Johnson, Olympia-Botschafter David Beckham, Arnold Schwarzenegger und die königliche Familie von Spanien.
Die USA erwischten im Endspiel in der überraschend nicht ganz ausverkauften Halle einen guten Start. Mit einem Dreier sorgte Durant kurz vor dem Ende des ersten Abschnitts für die erste zweistellige Führung (35:25). Doch danach ließen es die Multi-Millionäre aus der besten Liga der Welt etwas zu locker angehen. Wie beim 99:94 in der Vorrunde über Litauen wurde es knapp. Spanien holte Punkt für Punkt auf und lieferte den Amerikanern einen packenden Fight. Die Entscheidung zugunsten der USA fiel erst im letzten Viertel.
Die Chancen, dass die Überflieger auch in Zukunft bei den Sommerspielen die Fans anlocken, sind derweil gestiegen. Beim Finalwochenende in London erklärte Patrick Baumann, Generalsekretär des Basketball-Weltverbandes FIBA, dass die von der NBA angeregte Altersbeschränkung auf unter 23 Jahre zumindest für die kommenden Spiele in Rio de Janeiro wohl noch nicht infrage kommt.