Nach der brutalen Olympia-Demontage fiel das Fazit von Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen kurz und schmerzvoll aus. "Wir sind noch nicht in der Weltspitze. Wir sind einfach noch nicht so weit", sagte der Coach im Anschluss an das Aus seiner mutlosen Schmetterkünstler im Viertelfinale gegen Bulgarien. Überdeutlich wurden Heynens Schützlingen beim 0:3 die Grenzen aufgezeigt. Niemand im deutschen Lager wollte mehr etwas von den geplatzten Hoffnungen auf die erste Olympia-Medaille seit 40 Jahren wissen.
"Ich habe das Wort Halbfinale nicht in den Mund genommen - nicht ein einziges Mal", erinnerte Heynen in den Katakomben des Londoner Volleyball-Tempels Earl Court. Der Belgier konnte sich nach dem ersten Schock über den blutleeren Auftritt seiner Männer sogar schon wieder ein Lächeln abringen. Seine Spieler verließen dagegen mit hängenden Köpfen das Spielfeld. "Wir hatten eine große Chance, aber wir haben sie verpasst. So zu verlieren tut weh. Das war kein schöner Abgang für uns", klagte Angreifer Georg Grozer mit leiser Stimme.
Eigentlich war gegen Dauer-Kontrahent Bulgarien am Mittwochabend alles schon nach zwei Minuten vorbei. Kein Mumm, kein Elan - wie im Tiefschlaf agierten die Männer des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) und lagen viel zu rasch mit 0:5 hinten. Der katastrophale Fehlstart rächte sich schnell: Die negative Körpersprache vom vergangenen schwachen Jahr war plötzlich wieder da. Die leeren Blicke sprachen Bände.
Da konnte selbst Heynen nicht mehr helfen. Er versuchte in den Auszeiten wild gestikulierend, sein Team in die Spur zu bringen. "Der Druck war zu groß. Meine Spieler haben Fehler gemacht, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Wir waren mental einfach nicht bereit, das Viertelfinale zu spielen", sagt der Coach.
Zwar ist Platz fünf das beste Olympia-Ergebnis seit dem DDR-Silber 1972. Doch das tröstet niemanden so richtig im deutschen Lager. DVV-Präsident Werner von Moltke stand nach dem Spiel geknickt auf der Tribüne. "Ich bin tief enttäuscht. Nicht über die Niederlage, sondern über die Art und Weise", sagte Moltke. Am Morgen danach übte sich der Chef in Diplomatie: "Platz fünf - das hat doch vorher niemand erwartet. Damit haben wir uns eigentlich hervorragend geschlagen."
Eigentlich. Denn letztlich hatte nur der knappe Sieg gegen Serbien den Ausschlag für den Einzug ins Viertelfinale gegeben. Doch gegen die Top-Teams aus Brasilien, Russland und dann auch Bulgarien gab es keinen einzigen Satzgewinn. "Wir sind in der Weltspitze angekommen", hatte DVV-Chef von Moltke noch nach dem Viertelfinal-Einzug frohlockt. Dem widersprach Heynen am Ende des bitteren Abends vehement. "Das war unsere Grenze. Das ist das Maximum."