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  FTD-Serie: Olympia 2010 in Vancouver

Vom 12. Februar bis zum 1. März ringen Wintersportler aus über 80 Ländern im kanadischen Schnee um Gold, Silber und Bronze. FTD.de berichtet über alle Ereignisse und Ergebnisse auf und neben den Sportstätten.

Merken   Drucken   19.02.2010, 12:32 Schriftgröße: AAA

Halbzeit bei Olympia: Deutschland hechelt Bilanz von Turin hinterher

Elf Mal haben deutsche Olympioniken in der ersten Wettkampfwoche in Vancouver Edelmetall gewonnen - vor vieren Jahren in Turin waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Medaillen. Viele Sportler blieben bislang hinter den Erwartungen zurück - doch der Verband sieht sich auf dem richtigen Weg. von Andreas Schirmer
Die Wintersportnation Nummer eins droht die olympische Vormacht auf Eis und Schnee in Vancouver zu verlieren. "Wir betreiben keine Medaillenzählerei, aber wir verändern auch unser Ziel nicht und wollen weiter einen ganz vorderen Platz", sagte der deutsche Chef de Mission Bernhard Schwank kämpferisch. "Und wir sind auf dem richtigen Weg."
Vor vier Jahren hatten die deutschen Athleten bis zur Halbzeit 16 Medaillen vorgelegt und am Ende 29 gewonnen. Bei den Spielen in Vancouver standen nach sechs Wettkampftagen und 34 der 86 Entscheidungen nur elf Medaillen auf dem Erfolgskonto.
Bobfahrer André Lange peilt im Zweier und Vierer Gold an   Bobfahrer André Lange peilt im Zweier und Vierer Gold an
Damit wird es für das deutsche Team eher ein eisiger Weg, um die angestrebte Verteidigung von Position eins von Turin zu erreichen und die USA als Medaillenspiegel-Spitzenreiter (18) noch zu verdrängen. "Mit elf Medaillen und davon vier goldenen können wir uns gut sehen lassen", sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er warnte jedoch: "Wir dürfen uns nicht zur Ruhe setzen." Schließlich gab es in Italien allein elf deutsche Goldmedaillen.
Nachdem das Eiskunstlauf-Paar Aljona Savchenko/Robin Szolkowy und Eisflitzerin Jenny Wolf mit Bronze und Silber ihre Favoritenrolle nicht erfüllen konnten, stellt sich die Frage: Wer sind noch deutsche Anwärter für Olympiasiege? Biathletin Magdalena Neuner, bereits mit Gold und Silber dekoriert, hat im Massenstart und mit der Staffel noch Chancen. "Wir haben bei ihr gesehen, wie dicht Sieg und Niederlage nebeneinander liegen können", sagte Schwank mit Blick auf Neuners zehnten Platz über 15 Kilometer. Umgekehrt lief es bei Maria Riesch, die nach Rang acht in der Abfahrt Gold in der alpinen Super-Kombination holte. "Das ist sensationell", freute sich Schwank.
Riesch gilt auch im Slalom von Whistler Creekside als Topfavoritin - Weltmeisterin Kathrin Hölzl im Riesenslalom. "Die Erwartungen an uns waren hoch, jetzt haben wir immerhin schon mal eine Medaille abgeliefert", zeigte sich Alpin-Direktor Wolfgang Maier erleichtert. Ob auch der Sieger von Kitzbühel, Felix Neureuther, in Vancouver der große Coup im Slalom gelingt?
Im Snowboard gab es in der Halfpipe und beim Boardercross keine Medaille. Wie in Turin soll es das Parallelriesenslalom-Team um die Olympia-Zweite Amelie Kober auch in Cypress Mountain richten.
Im Eiskanal peilt Bobpilot André Lange im Zweier und Vierer wie 2006 den Doppelsieg an. Bei den Eisschnellläufern ist für Stephanie Beckert über 5000 Meter die zweite Silberne drin. Ungewiss ist, ob Anne Friesinger-Postma über 1500 Meter doch noch auf das Siegerpodest hüpfen kann. Zu den großen Unbekannten der Medaillenrechnung gehört auch Martin Schmitt, der zumindest im Training mit weiten Sätzen von der Großschanze Hoffnungen beflügelte.
Die Nordischen Kombinierer und vor allem die Biathlonmänner um den dreimaligen Turin-Sieger Michael Greis kämpfen bisher im Schatten der Konkurrenz. "Sie sind mit Sicherheit nicht zufrieden. Ich hoffe aber, dass sie am Ende doch noch zu ihren Erfolgen kommen", sagte Schwank. Überhaupt haben die Männer im deutschen Team noch einiges gut zu machen. Denn bisher galt vor allen Frauen-Power: sieben der der ersten elf Medaillen holten Athletinnen, und im Paarlauf war noch Aljona Savschenko zur Hälfte beteiligt. "Unsere Männer haben es genauso drauf", sagte Magdalena Neuner. "Sie sind halt Spätzünder."
Trotz mancher Enttäuschung ist der olympische Gesamteindruck, den die deutschen Sportler in Kanada hinterließen, positiv. "Die deutschen Athleten sind hier bisher sehr sympathisch aufgetreten", resümierte DOSB-Präsident Thomas Bach auch mit Blick auf die Winterspiele-Bewerbung von München für 2018. "Das hilft München. Sie strahlen trotz des Erfolgstrebens Freude und Freundlichkeit aus. Das kommt sehr gut an."
  • dpa, 19.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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