Wäre ja auch noch schöner: leistungssteigernde Mittelchen einsetzen, um der Konkurrenz eins auszuwischen. Obwohl - gehen nicht auch wir jeden Tag an unsere Grenzen - oder darüber hinaus - und helfen dabei kräftig nach? Ein Eimer Kaffee, zwei Maß Red Bull sind hier noch das Harmloseste.
Der Legalität verpflichtete Athleten greifen in diesem Megasportjahr massenhaft zu Kinesio-Tapes. Fast jeder zweite Sportler hat sie irgendwo pappen. Mario Balotelli, Italiens Jogi-Schreck bei der Fußball-EM, auf der Rückseite seines legendären Körpers. Olympionikin Katrin Holtwick beim Beachvolleyball vom Brustbein bis zur Bikinihose längs über den ganzen Bauch. "Es unterstützt die Muskeln bei der Bewegung, es vitalisiert die Nerven, es verbessert den Fluss der Körperflüssigkeiten und den Stoffwechsel der Haut", sagt der Physiotherapeut Klaus Eder.
Das Prinzip dieser elastischen Klebebänder, die ihr Erfinder Kenzo Kase erstmals an Sumoringern austestete, ist ganz simpel: Die Haut wird an den getapten Stellen angehoben und aufgrund der Druckentlastung die Lymph- und Blutzirkulation im Gewebe stimuliert. Außerdem ist da noch der psychologische Effekt. Verwendete Kase nur hautfarbene Streifen, gibt es sie heute in kräftigen Farbtönen. Pink wirkt angeblich wärmend und anregend, Blau kühlend und beruhigend, Schwarz stärkend.
Was ich mich frage: Warum sollen diese Dinger eigentlich nur Sportler einsetzen? Auch wenn Kinesio-Tapes nicht von der Krankenkasse übernommen werden, ordere ich jetzt eine Ladung ins Büro. Und immer dann, wenn das Blut in meinem Gehirn nicht mehr so richtig zirkulieren will, klebe ich mir eine. Direkt ins Gesicht.