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30. Olympische Spiele London 2012
Merken   Drucken   05.08.2012, 18:35 Schriftgröße: AAA

Olympia 2012: Drygalla fühlt sich wegen Nazi-Freund unfair behandelt

Zwei Tage nach ihrer Olympia-Abreise meldet sich Nadja Drygalla erstmals öffentlich zu Wort. Die Ruderin will ihre Karriere fortsetzen und distanziert sich vom rechten Gedankengut ihres Partners. Der Wirbel um die Beziehung setzt ihr zu.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Bernd Wüstneck
Zwei Tage nach ihrer Olympia-Abreise meldet sich Nadja Drygalla erstmals öffentlich zu Wort. Die Ruderin will ihre Karriere fortsetzen und distanziert sich vom rechten Gedankengut ihres Partners. Der Wirbel um die Beziehung setzt ihr zu.

Die Ruderin Nadja Drygalla hat sich deutlich von rechtem Gedankengut distanziert und will auch nach der Abreise von Olympia in London ihre Karriere fortsetzen. "Natürlich möchte ich mit dem Sport weitermachen", sagte die 23-Jährige der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. "Ich wünsche mir, dass ich meine Pause in Ruhe beginne und dann Anfang September wieder anfangen kann." Nach den Sommerspielen in London soll es weitere Gespräche mit dem Deutschen Ruderverband geben.

Drygalla war nach einem Treffen mit der Teamleitung aus dem olympischen Dorf abgereist. Grund war der Wirbel um ihre Beziehung zu Michael Fischer, dem Direktkandidaten der rechtsextremen NPD in Rostock zur Landtagswahl 2011.

Im Laufe eines Gesprächs mit Michael Vesper, Chef de Mission des deutschen Olympia-Teams, habe sie vorgeschlagen, das olympische Dorf zu verlassen. "Es war meine Entscheidung", sagte sie im Vereinshaus des Olympischen Ruder-Clubs Rostock. "Mir geht es nicht gut, die letzten Tage waren ziemlich anstrengend und ziemlich überraschend."

Ihr Freund ist nach Drygallas Darstellung seit Mai 2012 kein NPD-Mitglied mehr und habe "persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet", sagte die Athletin. Sie spreche sich gegen die rechte Ideologie aus. "Ich habe keine Verbindung in seinen Freundeskreis und diese Szene gehabt und lehne das absolut ab."

Berichte, wonach sie auf Bildern bei einer Demonstration 2009 in Malchow zu sehen sein soll, wies Drygalla zurück: "Das bin ich nicht, das kann ich ganz klar sagen. Ich empfinde das als unfair und ungerechtfertigt."

Bundesministerium will den Fall prüfen

Wegen der politischen Orientierung ihres Freundes habe sie zeitweise auch an eine Trennung gedacht. "Ich bin froh, dass ich vor den Olympischen Spielen noch einmal klar gesagt habe, dass es so nicht weiter laufen kann."

Im vergangenen Jahr war sie freiwillig aus dem Polizeidienst ausgetreten. Es habe Gespräche mit ihren Vorgesetzten gegeben, "in denen auch die Beziehung thematisiert und an meiner Loyalität gegenüber dem Polizeidienst gezweifelt wurde. Ich bin selber zu der Erkenntnis gelangt, dass es dort Konflikte gibt", sagte Drygalla. Nach Angaben von Oliver Palme, Sprecher des Deutschen Ruderverbandes, liegt ein Antrag auf Eintritt als Soldatin in die Sportfördergruppe der Bundeswehr zum 1. September derzeit "auf Eis".

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich forderte in der Affäre eine "gründliche Aufklärung". "Extremistisches Gedankengut hat im Sport keinen Platz. Denn Sportler sind auch Vorbilder. Der Sachverhalt muss deshalb umfassend und gründlich geklärt werden", sagte der auch für den Sport zuständige Minister der "Bild"-Zeitung.

  • dpa, 05.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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