Thomas de Maizière hat sich zu Beginn der zweiten Wettkampfwoche bei den Olympischen Spielen kritisch zum bisherigen deutschen Abschneiden geäußert. "Nach Anzahl der Medaillen ist es das erwartete Soll, nach der Farbe der Medaillen könnte es ein bisschen mehr Gold und weniger Silber sein", sagte der CDU-Politiker am Montag im Deutschen Haus in London. "Ob dahinter ein Strukturproblem ist, wird ja diskutiert."
Der Minister stellte die Fragen: "Wie stark ist der Leistungsbegriff ausgeprägt? Wie stark ist die Siegermentalität ausgeprägt? Wie ist die Rolle der Trainer?" Dies müsse aber der Sport diskutieren. "Wir beteiligen uns gern daran, wenn es gewünscht ist." Zur Olympia-Halbzeit am Sonntagabend hatte die deutsche Mannschaft fünf Gold-, zehn Silber- und sieben Bronzemedaillen gewonnen und lag im Medaillenspiegel auf dem achten Rang.
115 Sportsoldatinnen und -soldaten gehören in London zur 391-köpfigen Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Mit der Summe von rund 120 Mio. Euro in einem olympischen Vier-Jahres-Zyklus fördert die Bundeswehr den Spitzensport; die Kosten werden vom Verteidigungsministerium getragen. Den Löwenanteil machen die Gehälter der Athleten aus.
Hans-Peter Friedrich, als Minister auch für den Sport zuständig, sieht in der derzeitigen Medaillensituation noch Luft nach oben: "Dass das Ganze durchaus ausbaufähig ist. Aber ich bin nicht unzufrieden. Sie wissen ja, dass wir uns an Platz fünf orientieren, aber wir wissen auch, dass manchmal zwischen Platz fünf und Platz zehn nur zwei Goldmedaillen liegen," sagte Friedrich im Interview mit dem "Tagesspiegel"
Das Innenministerium habe keine Vereinbarung über Medaillenziele mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), sagte der CDU-Politiker mit Blick auf die Aufforderung des Berliner Verwaltungsgerichts, das eine Offenlegung der Zielvereinbarungen forderte. "Ich sehe das öffentliche Interesse nicht", sagte Friedrich. Die Leute würden ja selber sehen, welcher Verband wie viele Medaillen gewinnt. "Und was unsere Forderungen angeht: Medaillen sind nur eines von mehreren Kriterien."
Verteidigungsminister de Maizière war zufrieden mit dem Abschneiden der Sportsoldaten, die bisher knapp 40 Prozent der Medaillengewinner im deutschen Team stellen. "Das freut mich, das macht mich stolz. Das ist auch eine Rechtfertigung für die diskussionswürdige Art und Weise, wie wir fördern", sagte de Maizière.
Er bekannte sich zur Unterstützung des Sports durch die Bundeswehr. Trotz des Personalabbaus in den Streitkräften hätte er beschlossen, bei der Sportförderung nicht abzubauen, sondern das Niveau zu halten. "Das ist umstritten, vielleicht auch in der Bundeswehr umstritten", sagte de Maizière. "Entweder macht man das, dann macht man das richtig, oder man lässt das sein."
Allerdings verknüpfe die Bundeswehr ihr Engagement auch mit Erwartungen. "Wir tun das ja nicht aus Nächstenliebe. Wir wollen dann auch Leistungen sehen. Wir fördern echte Leistungssportler und sind nicht dafür da, gehobene Freizeitsportler zu finanzieren", sagte er.