Den Engländern wird ganz schwindelig von den Summen, die durch die Medien geistern: 20 Millionen Pfund (38,3 Millionen Euro) für Radsport-Idol Bradley Wiggins in den nächsten drei Jahren, 6 Millionen Pfund bis Rio de Janeiro 2016 für Vorläufer Mo Farah, 320.000 Pfund für einen Ausrüster-Vertrag von Siebenkämpferin Jessica Ennis. Aus Gold mach Geld: Vor allem die Olympiasieger der Gastgeber kassieren nach London königlich. Aber 99 Prozent der Teilnehmer der Spiele müssen auch nach dem Spektakel darum kämpfen, ihren Sport finanzieren zu können.
So überlegt Thomas Lurz, Silbermedaillengewinner über 10 Kilometer Freiwasserschwimmen, ob und wie es mit seiner Karriere weitergeht. "Da entscheiden auch wirtschaftliche Gründe wie Sponsorenverträge, die Zugehörigkeit zur Bundeswehrsportfördergruppe", sagte er.
Die Potsdamerin Franziska Weber holte bei ihrer Olympia-Premiere Silber und Gold. Ob man als Kanutin reich werden kann? "Neeeee, wir machen das aus Leidenschaft, weil wir Spaß daran haben. Wir sind froh, wenn wir über die Runden kommen", sagte die 23-jährige Studentin für Bauingenieurswesen und meinte lachend Richtung potenzieller Sponsoren: "Wer möchte?! Hier bin ich!"
Im Bahnradsport geht die Schere besonders weit auseinander: Sir Chris Hoy, längst von der Queen zum Ritter geschlagen, ist nicht erst seit seinem sechsten Olympia-Triumph eine Werbeikone auf der Insel. Der Cottbuser Maximilian Levy macht sich erst gar keine Hoffnung, dass er aus seiner Bronze- und seiner Silbermedaille Kapital schlagen kann: "Heute wirst du bejubelt, übermorgen kennt dich keiner mehr."
Für andere läuft die Werbemaschinerie längst auf Hochtouren: Am Montag präsentierte ein Sportartikelhersteller einen neuen Spot mit den Helden des Teams GB, auch mit London-2012-Botschafter und Glamour-Kicker David Beckham. Den Queen-Klassiker "Don't stop me now" performen Ennis, Hoy und Triathlon-Superstar Alistair Brownlee.
Mit noch mehr Geld gepflastert ist die Laufbahn für Usain Bolt. Der Superstar der Spiele rennt noch am 23. August in Lausanne, am 30. August in Zürich und am 7. September in Belgien. Der 25-jährige Jamaikaner, der sein Dreifach-Gold von Peking über 100, 200 und 4x100 Meter wiederholte, ist ein Krösus. 300.000 Dollar (244.000 Euro) soll seine Startgage vor den Spielen betragen haben, Tendenz auf 400.000 steigend. Diskus-Olympiasieger Robert Harting darf nach Expertenangaben mit etwa 10.000 bis 12.000 Euro pro Meeting rechnen.
Für die Leichtathletik, so das deutsche Councilmitglied Helmut Digel vom Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF, ist der Kult um Bolt ein Segen - aber auch ein Problem: "Bei der Gage für Bolt bleibt für die anderen Athleten nicht mehr viel übrig." Freilich machen die Sportfestveranstalter mit dem Sprinter auch Riesengeschäfte: TV-Quoten, Zuschauerzahlen und Sponsorenzuwendungen steigen sprunghaft, sobald "Blitz-Bolt" seine Mätzchen macht und im Startblock sitzt.
Nach Medienangaben erhält der Weltrekordler allein für seinen Ausrüstervertrag bis 2016 neun Millionen. Noch besser bezahlt sind die US-Basketball-Olympiasieger um LeBron James. Der NBA-Champion von den Miami Heat kassiert ein geschätztes Jahresgehalt von 41,8 Millionen Euro. Der Tennis-Weltrangliste Roger Federer folgt knappt dahinter mit ebenfalls satten 41,5 Millionen Euro. Sein erneut verpasstes Einzel-Gold verändert seinen Kontostand unwesentlich.
Turner Marcel Nguyen macht sich als einer der wenigen deutschen Sportler Hoffnungen, seine zwei Silbermedaillen ordentlich versilbern zu können - und auch ausländische Märkte zu erschließen. Sein Manager Jörg Neblung meint: "Marcel ist als smarter Typ interessant. Wir haben schon mehr Absagen erteilt als Zusagen. Aber eines ist sicher: Wir müssen ihn jetzt mit Sponsoren-Terminen ein wenig stressen, um das Eisen zu schmieden, so lange es heiß ist." Besonders fasziniert von Nguyen seien Hongkong-Chinesen. "Wir haben schon Einladungen zu Kaufhaus-Eröffnungen nach Hongkong und ähnliche Angebote."