Der Sicherheitsdienstleister G4S muss sein Versagen beim Rekrutieren von Sicherheitspersonal für die Olympischen Spiele in London teuer bezahlen. Die Aktien des weltgrößten Unternehmens der Branche sackten am Montag an der Londoner Börse um fast zehn Prozent in den Keller. Damit verlor G4S zeitweise rund 400 Mio. Pfund an Marktwert.
Zudem steht Vorstandschef Nick Buckles auf der Kippe. "Man kann es als sicher ansehen, dass Buckles gemeinsam mit anderen britischen Managern über die Klinge springt", sagte Analyst Kevin Lapwood vom Börsenmakler Seymour Pierce. Buckles ist bereits angeschlagen, nachdem der Übernahmedeal für die dänische Reinigungsfirma ISS im Wert von 5,2 Mrd. Pfund gescheitert war. Er selbst hatte dem "Sunday Telegraph" gesagt, er wolle zumindest den Olympia-Vertrag noch erfüllen. Dann müssten die Gesellschafter entscheiden.
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G4S hatte am Wochenende die Verantwortung für die Probleme mit dem Sicherheitspersonal für Olympia übernommen. Das Innenministerium räumte ein, bereits im September 2011 von ersten Problemen erfahren zu haben. Die britische Armee musste ihr Kontingent um 3500 Soldaten auf 17.000 aufstocken, weil G4S nicht genügend geeignete zivile Kräfte an Land ziehen konnte. Der Olympia-Park glich am Wochenende zeitweise einem Kasernenhof. Am Montag kamen Spekulationen auf, dass möglicherweise noch mehr Militär bereitgestellt werden muss.
Die Toleranz der Londoner Bevölkerung ist ohnehin schon arg strapaziert. So sollen Boden-Luft-Raketen auf einem Wohnblock die Spiele vor Terrorangriffen schützen. Die 700 Anwohner des Wohnkomplexes wurden von der Regierung per Flugblatt informiert, dass auf dem Dach ihres Hauses künftig Raketen stationiert werden. Die Raketen würden aber nur als "letztes Mittel" abgefeuert, heißt es in dem Flyer, den das Verteidigungsministerium herausgeben hat.
Ungeachtet des Planungsdebakels äußert sich IOC-Präsident Jacques Rogge mit der allgemeinen Sicherheitslage in London zufrieden. "Die Regierung hat uns erneut versichert, dass das Sicherheitskonzept steht. Die zusätzlichen Soldaten beruhigen uns in der Sicherheitsfrage", sagte der Belgier am Montag in einer Telefonkonferenz und lobte die schnelle Reaktion der britischen Regierung auf die kurzfristig entstandene Sicherheitslücke.
Die Olympia-Macher hätten ein hohes Maß an Flexibilität bewiesen, meinte Rogge. "Natürlich steht Sicherheit an erster Stelle und ist für alle wichtig", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Das enge Sicherheitsnetz würde die Atmosphäre der Spiele nicht negativ beeinflussen. Die Soldaten "werden nicht mit Maschinengewehren rumlaufen und nicht sichtbar oder störend sein. Sie werden den Spaß nicht verderben", prophezeite Rogge. Entscheidend sei einzig und allein die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die alle Beteiligten in der Sicherheitsfrage bewiesen hätten.