Der Fall Claudia Pechstein reicht jetzt bis nach Vancouver. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgefordert, sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für ihren Olympia-Start in Vancouver einzusetzen.
Claudia Pechstein blickt in Berlin während ihrer Pressekonferenz in die Unterlagen.
DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bestätigte den Eingang eines Briefes der Berlinerin und erklärte: «Claudia Pechstein hat Herrn Bach und mir einen persönlichen Brief geschrieben. Den werden wir selbstverständlich beantworten, aber nicht in der Öffentlichkeit.»
Pechstein und ihre Manager wollten nicht im Detail auf den Inhalt des Briefes eingehen. «Wir warten jetzt mal das Schreiben des DOSB ab», sagte Ralf Grengel. In ihrem Brief könnte die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Pechstein auf jüngste Entwicklungen im ihrem Fall eingegangen sein, die aus ihrer Sicht ein neues Licht auf das Urteil des Weltverbandes ISU zu ihrer zweijährigen Sperre werfen könnten. Schon vor Wochen war bekanntgeworden, dass mit Pierre-Eduard Sottas einen der beiden maßgeblichen Gutachter des Weltverbandes mit einigen Aussagen seine Einschätzungen relativiert hatte.
Zudem waren in den zurückliegenden Monaten immer wieder neue medizinische Gutachten von Experten vorgelegt worden, die auf eine Blutanomalie bei Pechstein hindeuten sollen. Vesper lässt in seiner Erklärung aber keinen Zweifel, dass die Urteile der ISU, des Internationalen Sportgerichtshofes CAS und des Schweizer Bundesgerichts voll bindend sind: «Im übrigen ist zu dieser Angelegenheit alles gesagt, was es zu sagen gibt», erklärte er.
Der DOSB hatte Pechstein wegen der bis zum 8. Februar 2011 geltenden Sperre nicht für das deutsche Olympia-Team nominiert. Die Chancen, Pechstein jetzt nachträglich zu nominieren, scheinen somit gegen Null zu tendieren. Möglicherweise nutzt die 37-Jährige jetzt die Olympia-Plattform, um nochmals die aus ihrer Sicht bestehende juristischen Unsicherheiten nochmals einem größeren Publikum zu offerieren. Denkbar ist auch noch der Gang vor das Ad-hoc-Gericht des Sportgerichtshofes CAS. Dieses neunköpfige Gremium befasst sich in Eilverfahren mit Nominierungsfragen und auch Doping-Problemen.
Nach dem Auftakt der Eisschnelllauf-Wettbewerbe am 14. Februar über 3000 Meter besteht aber auch kaum eine sportliche Startmöglichkeit für Pechstein. Die 5000 Meter, für die mit Stephanie Beckert, Daniela Anschütz-Thoms und Katrin Mattscherodt bereits drei deutsche Läuferinnen nominiert sind, findet am 24. Februar, die Team-Konkurrenz am 26. und 27. Februar zum Ende der Olympischen Spiele statt.
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