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Merken   Drucken   24.08.2012, 14:38 Schriftgröße: AAA

Doping: Armstrong vor Verlust sämtlicher Tour-de-France-Titel

Die Rad-Legende gibt auf: Lance Armstrong wird sich nicht mehr gegen die Vorwürfe der US-Behörde USADA wehren. Die Anti-Doping-Agentur will dem 40-Jährigen nun alle seine sieben Siege bei der Frankreichrundfahrt aberkennen - und ihn lebenslang sperren.

Der Ex-Radprofi Lance Armstrong steht vor dem Verlust seiner sieben Tour-de-France-Titel sowie vor einer lebenslangen Sperre. Der 40-Jährige teilte am Donnerstagabend mit, er wolle sich nicht länger gegen die Dopingvorwürfe der US-Anti-Doping-Agentur USADA zur Wehr setzen.

Eine Sprecherin der Anti-Doping-Agentur teilte mit, dass Armstrong "lebenslang gesperrt wird und alle seine Titel seit dem 1. August 1998 verlieren" werde. In dieser Zeit liegen Armstrongs sieben Tour-de-France-Siege sowie eine Bronzemedaille bei den olympischen Spielen in Sydney.

Das gesamte Verfahren habe einen "zu hohen Tribut" von ihm und seiner Familie gefordert, so Armstrong. Wenn er eine Chance gesehen hätte, in einer fairen Umgebung die Vorwürfe widerlegen zu können, hätte er "die Chance wahrgenommen". "Aber ich weigere mich, in einem einseitigen und unfairen Prozess mitzumachen." In einem Schreiben an die USADA warf Armstrongs Anwalt der Agentur eine "verfassungswidrigen Hexenjagd" vor.

"Das ist ein trauriger Tag für alle von uns, die den Sport und unsere Athleten-Helden lieben", teilte Travis Tygart, Chef der USADA, in einem Schreiben mit. Der Fall sei "ein herzzerreißendes Beispiel", wie die Kultur des "Siegens um jeden Preis" einen sauberen und fairen Sport verhindere, so Tygart.

Lance Armstrong (l) und Jan Ullrich bei der Tour de France 2003. ...   Lance Armstrong (l) und Jan Ullrich bei der Tour de France 2003. Foto: Gero Breloer

Armstrong hatte erst Anfang der Woche einen Rückschlag im Kampf gegen die USADA einstecken müssen. Ein Richter im texanischen Austin wies eine Klage des Ex-Radprofis ab. Armstrong wollte die Ermittlungen der USADA stoppen lassen und den Fall stattdessen vom Weltradsportverband UCI verhandeln lassen. Die Anti-Doping-Jäger werfen ihm jahrelanges Doping und Handel mit illegalen Substanzen vor. Der siebenmalige Gewinner der Tour de France soll Teil einer regelrechten "Doping-Verschwörung" gewesen sein.

Sollte Armstrong tatsächlich seine Tour-Titel verlieren, könnten zwei Deutsche davon profitieren: Bei seinen Erfolgen 2000, 2001 und 2003 hatte der Texaner den ebenfalls im öffentlichen Ansehen tief gefallenen deutschen Radstar Jan Ullrich jeweils auf Platz zwei verwiesen, 2004 hatte sich Andreas Klöden hinter Armstrong auf den Champs-Elysées in Paris feiern lassen dürfen. Ob die beiden nun nachträglich zum Sieger in diesen Jahren aufsteigen können, ist unklar. In einem ähnlichen Fall wurde bei Bjarne Rijs eine Verjährungsfrist geltend gemacht. Der Däne dürfte das Gelbe Trikot behalten - allerdings erst auf Intervention der UCI.

Ullrich macht sich jedenfalls keine besonderen Gedanken über eine mögliche Aberkennung der Tour-Erfolge Armstrongs. "Das beschäftigt mich nicht mehr groß", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "Ich weiß, wie damals die Reihenfolge am Zielstrich war", betonte Ullrich: "Ich habe mit meiner Profikarriere abgeschlossen und habe immer gesagt, dass ich auch auf meine zweiten Plätze stolz bin."

Armstrong teilte mit, dass er sich künftig nur noch um die Arbeit seiner Stiftung, dem Kampf gegen Krebserkrankungen und um seine Familie kümmern wolle. "Nach vorne blickend werde ich mich um die Erziehung meiner fünf wunderbaren (und energiegeladenen) Kinder und dem Kampf gegen Krebs widmen und versuchen, der fitteste 40-Jährige auf dem Planeten zu sein", schrieb er.

  • FTD.de, 24.08.2012
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