Kurz vor dem entscheidenden Tag bei Gericht war Jan Ullrichs Laune prächtig. Bei einem Sponsorentermin in Bielefeld erklärte er, warum er auch nach seinem Karriereende weiter auf das Rad steigt.
Für den ehemaligen Radstar Jan Ullrich wird der Donnerstag ein spannender Tag. Foto: Bernd Thissen
«Ich halte mich damit fett... nein, ich halte mich damit fit», sagte Ullrich und erheiterte mit seinem Versprecher eine Journalistenschar. Ob die Stimmung des 38-Jährigen auch am Donnerstag ähnlich gelöst sein wird, entscheidet der Internationale Sportgerichtshof CAS. Er wird bekanntgeben, was aus dem Doping-Vorwurf gegen Ullrich wird. Unabhängig vom Richterspruch meinte der Ex-Star: «Ich bin froh, dass das Urteil nun endlich kommt. Für mich ist das ein Glückstag.»
In der Causa geht es um ein eingestelltes Verfahren des Schweizer Radsportverbandes aus dem Februar 2010. Trotz eines Nachweises der Staatsanwaltschaft Bonn, dass Ullrich Blutbeutel beim vermeintlichen Doping-Mediziner Eufemiano Fuentes gelagert hatte, stellten die Schweizer ihre Ermittlungen ein. Dagegen klagte unter anderem der Rad-Weltverband UCI. Seit Monaten warten die Parteien - allen voran der in der Schweiz wohnhafte Ullrich - auf die Entscheidung des CAS.
Alles scheint möglich: Entweder weisen die Richter in Lausanne die Klage der UCI ab, damit bliebe es bei der Einstellung des Verfahrens. Der CAS kann den Schweizer Verband aber auch auffordern, den Fall noch einmal aufzurollen. Überdies ist nicht ausgeschlossen, dass das oberste Sportgericht drei Tage nach der Sperre gegen den Spanier Alberto Contador selbst ein abschließendes Urteil fällt.
«Egal, wie es ausgeht: Ich hoffe auf ein faires Urteil», betonte Ullrich, der mit der Formulierung «Ich habe nie jemanden betrogen» Doping stets bestritten hat. Ob nach dem CAS-Urteil dann doch noch ein Geständnis - oder zumindest Teilgeständnis - folgen wird, ließ der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger offen. «Ich bin froh, dass das Urteil nun endlich kommt. Dann kann ich noch einmal Stellung nehmen. Und dann hak' ich das Thema ein für allemal ab.»
Dass er in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gemacht hat, weiß Ullrich selbst. «Mit Fehler meine ich, dass ich vielleicht früher hätte etwas sagen müssen», unterstrich er. «Das wird sich alles aufklären.» Warum er bislang schwieg, «kann ich dann morgen oder übermorgen erklären. Das habe ich vorbereitet und das wird dann auch verständlich», sagte Ullrich.
Für den 38-Jährigen soll der Donnerstag ein Schlussstrich werden. «Ich habe sechs Jahre auf das Urteil gewartet», sagte er. «Ich habe sehr viel leiden müssen, bis hin zum Burnout. Das ist eine langwierige Geschichte, die mit dem Urteil für mich abgeschlossen ist. Der Urteilsspruch wird nichts an meiner Zukunft ändern.»
Von nun an will sich Ullrich - wie schon im Vorjahr - vermehrt Amateurrennen widmen. Unter anderem ist er am 12. August bei dem von einem Pharmakonzern veranstalteten «Alpecin Cycling-Day» in Bielefeld dabei. Für Schmunzeln sorgte am Mittwoch der Verweis auf den Werbeslogan des Unternehmens: «Doping für die Haare». Eine Verknüpfung zur sportlichen Vergangenheit Jan Ullrichs sei «reiner Quatsch», meinte dazu Firmen-Geschäftsführer Eduard Dörrenberg.
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