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  FTD-Serie: Olympia 2010 in Vancouver

Vom 12. Februar bis zum 1. März ringen Wintersportler aus über 80 Ländern im kanadischen Schnee um Gold, Silber und Bronze. FTD.de berichtet über alle Ereignisse und Ergebnisse auf und neben den Sportstätten.

Merken   Drucken   16.02.2010, 21:33 Schriftgröße: AAA

Olympic Oval: GMs Olympia-Debakel

Die Eismaschinen streiken, nichts geht mehr im olympischen Oval von Vancouver. Und wer soll schuld sein? General Motors. von Claus Hecking 
In der überschaubaren Welt der Eisaufbereitungsmaschinen ist die Zamboni, was das Tempo unter den Taschentüchern ist. Rennveranstalter, die etwas auf sich halten, lassen ihr Eis deshalb von Zambonis glätten. Anders verhält es sich allerdings in diesen Tagen bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Da kommt die Zamboni nicht von Zamboni. Weshalb nun eine ganze Zunft auf die Barrikaden steigt: gegen den US-Autokonzern General Motors.
Eismaschine der Marke "Olympia" im Einsatz in Vancouver   Eismaschine der Marke "Olympia" im Einsatz in Vancouver
Die Nacht zu Dienstag, 1.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, der Eklat: Nichts geht mehr im Olympic Oval. Die Eismaschinen streiken schon mehr als eine Stunde lang. Auf Gefährt Nummer eins prangt das Logo einer Marke namens "Olympia", ein Elektronikdefekt hat die Maschine stillgelegt. Aus der zweiten Olympia leckt derweil heißes Wasser aufs Eis und dampft Löcher in die glatte Fläche.
Und an der Olympia Nummer drei werkeln die Techniker herum. Pfützen und Rillen übersäen die olympische Bahn, welche die 500-Meter-Läufer gleich mit bis zu 60 Stundenkilometer umkurven sollen. "Dieses Eis ist kreuzgefährlich bei diesen Geschwindigkeiten", sagt Wopke de Vegt, Cheftrainer der favorisierten Niederländer. Seine Athleten frieren in ihren dünnen Anzügen, ein Abbruch droht. Dann bringt der Eismeister doch noch eine Olympia in Gang, wenig später läuft das Rennen wieder an. Aber viele Favoriten versagen, sie werden mit der Unterbrechung nicht fertig. Jetzt gehen die Diskussionen so richtig los.
Die Pannenserie war vorhersehbar. Schon beim Damenrennen am Sonntag hatte eine Olympia schlappgemacht. Seit dem ersten Training klagen die Sportler über holpriges, welliges, Olympia-unwürdiges Eis. Warum in aller Welt, fragen sie sich, setzen die Organisatoren keine echten Zambonis ein?
Sportstätten von Vancouver Hier wird um olympisches Gold gerungen
Bald kommt ein böser Verdacht auf: Schuld an allem soll General Motors sein, jener Autohersteller, der nur deshalb noch existiert, weil die US-Steuerzahler ihn letztes Jahr mit 50 Mrd. $ gerettet haben. GM ist ein Hauptsponsor der Spiele - und stellt Chassis und Elektromotor der Olympias her. Zamboni hingegen hat jahrzehntelang Motoren des GM-Konkurrenten Ford  bevorzugt.
Die Verbandsvertreter wittern ein Komplott. "Ich habe gehört, dass Sponsoreninteressen zur Auswahl der Maschinen beigetragen haben", wütet Henk Gemser, Delegationschef der Eisschnelllauf-verrückten Niederländer. "Offenbar wurde da nicht auf Qualität geschaut, die kommerziellen Interessen waren wichtiger." Die Organisatoren äußerten sich bis Dienstagabend nicht zur Eismaschinendebatte. Sie ließen lieber aus dem 1000 Kilometer entfernten Calgary eine Zamboni einfliegen. Das Stück erspart ihnen weitere Querelen - und GM einen noch größeren Imageschaden.
  • Aus der FTD vom 17.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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