Jungunternehmer Felix Sturm zahlt sich jetzt nicht nur seine Börsen selbst aus, nach 14-monatiger Zwangspause hat er auch das Boxen nicht verlernt.
Felix Sturm bleibt WBA-Weltmeister.
Mit einem einstimmigen Punktsieg (117:111, 117:111, 118:111) gegen Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik meldete sich der Weltmeister im Mittelgewicht zurück. Sturm ist wie er zuletzt war: Technisch überlegen, aber keineswegs umwerfend.
Der WBA-Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm (l) hat seinen Titel verteidigt.
Beim ersten Auftritt nach der Trennung vom Hamburger Universum- Stall war mehr drin gegen einen Herausforderer, der nicht die gepriesene Klasse hatte. «Ich bin jetzt bei 70 bis 75 Prozent», meinte der 31 Jahre alte WBA-Champion. Mithin war es ein Aufbaukampf für einen, der «immer nur die Besten» vor die Fäuste kriegen will. Sturm selbstkritisch: «Ich kann mich noch steigern.»
Bei Sturm (l) und Lorenzo ging es offensiv zur Sache.
In die Kölner Lanxess-Arena, in der nach Angabe des Veranstalters 18 200, nach Einschätzungen von Insidern eher 13 500 Zuschauer Zeuge waren, hatte es auch die halbe Fußball-Nationalmannschaft mit Sammy Khedira, Miroslav Klose und Mario Gomez vor ihrem Einsatz gegen Aserbaidschan verschlagen. Der in einen dicken Schal gehüllte Bastian Schweinsteiger sagte schon vor dem Duell einen klaren Sieg des Deutschen voraus und erwies sich damit als Kenner der Szene. «Mein Spezialgast war mein Freund Lukas Podolski», berichtete Sturm stolz. Der Fußballer fiel dem Boxer nach dessen Sieg um den Hals.
Die Bayern-Profis Badstuber (l) und Schweinsteiger genießen die Atmosphäre.
Sturm präsentierte sich rundum glücklich nach seiner Rückkehr in den Ring. «Die größte Motivation war, in Eigenregie zu boxen. Ich möchte meiner Familie und meinem Sohn was bieten», sagte der Mann, der sich mit Promoter Klaus-Peter Kohl über Monate hinweg vor Gericht gestritten hatte und schließlich nach der Zahlung eines Schmerzensgeldes von rund 900 000 Euro sein eigener Herr sein darf.
Auch die DFB-Spieler Kroos (l-r) und Klose sowie Moderator Pocher waren dabei.
«Mehr Geld ist keine Motivation. Das ist mir nicht wichtig», behauptete der Boxer, der vor nicht allzu langer Zeit jammerte, dass ihn Kohl um große Teile seines Gewinns prelle. Die Vermutung liegt nahe, dass trotz Selbstvermarktung unterm Strich weniger rausgekommen ist als früher bei Kohl. Dabei war nicht zu übersehen, dass Sturm auf die Strippenzieher-Künste des umstrittenen Box-Promoters Ahmet Öner zurückgreift, der vor und nach dem Kampf an jener Stelle im Ring stand, an der einst Kohl in die Kamera lächelte. Eigenregie hin, Selbstvermarktung her.
Giovanni Lorenzo (r) muss einen schmerzhaften Schlag auf die Nase verkraften.
Die in Einschaltzahlen gemessenen Popularitätswerte der Klitschkos sind zwar mehr als doppelt so hoch, aber jenseits der Ukrainer bewegt sich alles im bescheidenen Rahmen. Sturm, der nicht der spektakuläre Boxer mit Hau-um-Effekt ist, hat es mit seinem technisch geprägten Stil ohnehin schwerer. Bereits im Dezember will er erneut in den Ring steigen. Der Rubel muss rollen.
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