Ambitionierte Amerikaner gegen zuletzt dominierende Afrikaner: Das ist das Motto des diesjährigen Boston-Marathons.
Meb Keflezighi will nach New York auch den Boston-Marathon gewinnen.
Wenn am 19. April der älteste Städte-Marathon der Welt zum 114. Mal gelaufen wird, rechnen sich die Gastgeber reelle Chancen aus, dass erstmals seit 1983 wieder ein US-Athlet als Erster die Ziellinie auf der Boylston-Street im Herzen Bostons überquert.
«Wir wissen, dass wir die Chance haben, zu gewinnen. Wenn wir nicht daran glauben würden, hätten wir uns hier gar nicht erst angemeldet», meint Meb Keflezighi. Sein Selbstvertrauen und das seines Landsmannes Ryan Hall ist so groß wie nie zuvor. Denn der 34-Jährige hat bereits am 1. November vergangenen Jahres mit seinem Sensationssieg beim New York Marathon die dortige US-Durststrecke durchbrochen - und die dauerte, wie jetzt auch in Boston, genau 27 Jahre.
«Meb hat gezeigt, dass wir Amerikaner auch gewinnen können. Es ist eine Sache, schnell zu laufen. Aber es ist eine andere, zu wissen, wie man gewinnt», meint Greg Meyer, der 1983 als letzter US-Läufer in Boston triumphierte. Keflezighi und Hall sind nicht nur Landsleute, sondern auch Freunde und im kalifornischen Mammoth Lakes auch Trainingspartner.
Das Duo will die starken Äthiopier und vor allem Kenianer herausfordern und den erwarteten hunderttausend Besuchern an der Strecke einen triftigen Grund geben, am Patriots' Day - einem Feiertag im Bundesstaat Massachusetts - besonders patriotisch zu sein.
«Ich bin seit drei Wochen hier, habe intensiv an den neuralgischen Punkten trainiert und sehr viel über die Strecke gelernt. Ich kenne jeden kleinen Ort und selbst jede Fastfood-Kette. Im Vorjahr hatte ich gar keine Ahnung, bin viel zu hart angegangen. Jetzt hingegen weiß, wie ich meine Kräfte einteilen muss», betonte Hall, der 2009 bei seinem Debüt Dritter wurde.
Top vorbereitet präsentierte sich auch Titelverteidiger Deriba Merga im Vorfeld. Er wisse, dass die Amerikaner stark seien, aber er sei nach Boston gekommen, um erneut Champion zu werden, ließ der Äthiopier über seinen Dolmetscher ausrichten.
Im Frauen-Feld treffen mit Salina Kosgei (Kenia), Dire Tune (Äthiopien) und Lidija Grigorjewa (Russland) die Siegerinnen der vergangenen drei Jahre aufeinander. Die viermalige Boston-Beste Catherine Ndereba aus Kenia musste ihren Start vor zehn Tagen wegen einer Muskelzerrung absagen.
«Ich habe wieder reichlich 800 Meter-Läufe trainiert», meinte Kosgei. Im Vorjahr verhalf ihr dies zum Sieg. In einem packenden Schluss-Sprint setzte sie sich nach 2:32:16 Stunden um eine Sekunden gegen Tune durch und brach unmittelbar hinter der Ziellinie zusammen - es war die knappste Entscheidung in der Geschichte der Traditionsveranstaltung. Kosgei würde mit einem Sieg oder einem zweiten Platz in der Gesamtwertung der Word-Marathon-Majors Serie 2009/10 an der führenden Irina Mikitenko vorbeiziehen.
Die Wattenscheiderin hat bislang auf einen Start in Boston verzichtet, peilt stattdessen am Sonntag ihren Hattrick beim London- Marathon an. Im Erfolgsfall wäre sie Nachfolgerin von Uta Pippig - die gebürtige Leipzigerin dominierte von 1994 bis 1996 in Boston.
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