Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) droht im Kampf gegen die entschärften Dopingregeln des Weltverbandes FEI mit dem Boykott der Weltmeisterschaften und der Abspaltung eines europäischen Verbandes.
Breido Graf zu Rantzau (l) bei den Olympischen Spielen 2008.
«Wir müssen uns überlegen, ob man zu den Weltreiterspielen im nächsten Jahr in Kentucky überhaupt fahren kann», sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau am Rande des Weltcup-Turniers in Stuttgart. Er kündigte Widerstand gegen die neuen Regeln an, die bei der FEI-Generalversammlung in Kopenhagen beschlossen wurden: «Ich bin bereit, bestimmte Auseinandersetzungen zu führen.»
Rantzau kritisierte die Freigabe einiger Medikamente zur Behandlung von Pferden durch den Weltverband FEI scharf. «Ich habe Grund, unendlich traurig zu sein über die Beschlüsse, weil die Chance vertan worden ist, klar Schiff zu machen», sagte der FN-Präsident. Er will die Regeln in Deutschland nicht umsetzen. «Wir werden das aus Überzeugung nicht mitmachen», sagte Rantzau. Gemeinsam mit den deutschen Turnierveranstaltern will er «das nicht wirksam werden lassen».
Die neuen Regeln sollen juristisch untersucht werden. «Wir prüfen derzeit alles, um zu verhindern, dass das Wirklichkeit wird», sagte der FN-Präsident. Problematisch ist die Entschärfung des bisherigen Regelwerkes auch deshalb, weil es zum Teil nicht mit den Tierschutzgesetzen mehrerer europäischer Länder vereinbar ist.
Rantzau ist sich sicher, dass viele andere europäische Nationen an seiner Seite stehen. 40 Verbände haben sich bereits zum European Equestrian Forum (EEF) zusammengeschlossen. «Wir haben kein Problem damit, daraus eine Föderation zu machen», sagte der deutsche Verbandschef und drohte mit der Abspaltung.
Bei der FEI-Generalversammlung hatten die Delegierten eine Liste mit Medikamenten und Substanzen genehmigt, von denen einige bisher verboten waren, aber zukünftig ganz oder bis zu gewissen Obergrenze erlaubt sind. Dazu gehören die Schmerz- und Entzündungshemmer Finaldine und Phenylbutazon, das in den 90er Jahren verboten worden war. «Ein Pferd, das diese Mittel braucht, ist nicht für den Wettkampf fit», kritisierte der Tierarzt Markus Müller. «Man muss darüber nachdenken, ob eine tierärztliche Tätigkeit in diesem Sport überhaupt noch möglich ist», sagte der Veterinär aus der Schweiz.
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