Mit einem Riesen-Spaß für den guten Zweck haben sich die weltbesten Tennisspieler auf die Australian Open eingespielt. Die von Thomas Haas und Sabine Lisicki angeführten 19 deutschen Tennisprofis durften bei der «Spendenaktion für Haiti» allerdings nur zuschauen.
Roger Federer scherzt beim Spendenmatch in Melbourne.
Roger Federer hatte spontan zu einem Mixed- Wettbewerb in die Rod-Laver-Arena eingeladen und in Rafael Nadal, Serena Williams, Kim Clijsters, Novak Djokovic, Samantha Stosur, Lleyton Hewitt und Andy Roddick namhafte und bestens gelaunte Mitstreiter gefunden. 15 000 Zuschauer und Spender wie Maria Scharapowa, die 10 000 Dollar gab, brachten 200 000 Dollar zusammen.
«Ich hatte die Idee, dass wir etwas tun sollten, den Menschen nach dem Erdbeben in Haiti zu helfen», sagte Federer. Es sei nicht schwer gewesen, die namhaften Kollegen aus der Tennis-Familie zu überzeugen. «Wir sind alle froh, helfen zu können», meinte der Familien-Vater, der den Spaß auf dem Center Court weit mehr genoss als die ewig gleichen Fragen zu seinen sechs Monate alten Töchtern. «Für mich ist es inspirierend, mit der ganzen Familie unterwegs zu sein. Sicher, es ist das erste Mal hier in Australien. Mal sehen, wie es so geht.»
Zum Auftakt des mit 14,9 Millionen Dollar dotierten ersten Grand-Slam-Turniers der Saison darf sich Federer noch ausruhen. So wie Titelverteidigerin Serena Williams, die erst am 19. Januar gegen die Polin Urszula Radwanska antreten muss. Federer erwartet den Russen Igor Andrejew und will auf dem Weg zu seinem vierten Melbourne-Sieg den dritten Vergleich gewinnen.
Dass er den Spagat beherrscht, sich einerseits um die Familie zu kümmern, andererseits aber auch topfit auf dem Platz zu stehen, hat der Weltranglisten-Erste in Flushing Meadows bewiesen. Auch wenn es gegen den Argentinier Juan Martin del Potro so wie vor Jahresfrist im Finale von Melbourne gegen Rafael Nadal nicht gereicht hat.
Nach auskurierten Knieproblemen dürfte der Mallorquiner Nadal neben dem Serben Djokovic, dem Amerikaner Roddick und Lokalmatador Hewitt einer der großen Widersacher Federers sein. Der Olympiasieger aus Spanien gab sich vor seinem ersten Match gegen den «Aussie» Peter Luczak zurückhaltend: «Der Favorit bin ich auf diesem Untergrund sicher nicht, da gibt es eine Menge sehr, sehr gute Spieler.»
Ein Thomas Haas in bester Form gehört auch dazu. Die Vorbereitung in Kooyong geriet dem dreimaligen Melbourne-Halbfinalisten zwar ziemlich daneben, doch im deutschen Erstrunden-Duell gegen den Reutlinger Simon Greul ist der Wimbledon-Halbfinalist Favorit - auch wenn der 31-Jährige warnt: «Es ist immer schwer einzuschätzen, wie es läuft, wenn man gegen einen Spieler noch nicht angetreten ist.»
Nicolas Kiefer hat die Australian Open erst gar nicht auf dem Zettel gehabt. In der Weltrangliste auf Platz 115 durchgereicht, ersparte sich der 32 Jahre alte Melbourne-Halbfinalist von 2006 den langen Flug. Dieter Kindlmann überstand wie Angelique Kerber und Kathrin Wörle die Qualifikation. Der Freude über den Sprung ins Feld der 128 folgte für den 27-jährigen Münchner der Schock über den ersten Gegner: Weltmeister Nikolai Dawidenko aus Russland.
Auch für Sabine Lisicki, die größte deutsche Damen-Hoffnung neben Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld, beginnen die Australian Open erst am Dienstag. Petra Martic aus Kroatien heißt die Gegnerin, die der Berlinerin im bislang einzigen Vergleich vor knapp drei Jahren in zwei Sätzen unterlegen war. An den dicken Knöchel von den US Open denkt die kesse Lisicki nicht mehr, eher schon an den überraschenden Siegeszug von Wimbledon, der sie bis ins Viertelfinale führte.
Im Fokus der Tennis-Fans allerdings stehen zwei Rückkehrerinnen aus Belgien. Nach Kim Clijsters, die mit ihrem Triumph in Flushing Meadows eines der größten Comebacks der Sportgeschichte schaffte, versucht nun auch Justine Henin die Zeit zurückzudrehen. Sechs Jahre nach ihrem einzigen Sieg bei den Australian Open - gegen Clijsters - beendete die 26-Jährige vor einer Woche ihre 20-monatige Auszeit. Und beeindruckte mit dem sofortigen Einzug ins Finale, das sie gegen Clijsters verlor. «Es ist toll, dass zwei solche Spielerinnen zurück sind auf der Tour», sagte Serena Williams, verschwiegt aber nicht, dass sie trotzdem ihren fünften Titel holen will.
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