Maria Scharapowa warf nach ihrem lockeren Halbfinaleinzug bei den French Open ihn ihrer typischen Jubel-Inszenierung Kusshände ins Publikum. Nach der 6:2, 6:3-Demonstration gegen die kräftige Estin Kaia Kanepi fehlt der Weltranglisten-Zweiten nur noch ein Sieg zur Rückkehr auf den Tennis-Thron. "Es ist sehr nett, hier zum dritten Mal im Halbfinale zu stehen. Ich liebe Paris", sagte die 25-Jährige. Falls sie das Endspiel des wichtigsten Sandplatzturniers der Welt erreicht, wird die in Florida lebende Russin wieder die Nummer eins der Tenniswelt. Die aktuelle Branchenführerin Victoria Asarenka aus Weißrussland war in der französischen Hauptstadt schon im Achtelfinale gescheitert.
Eine weitere eindrucksvolle Darbietung gab auch Herren-Topfavorit Rafael Nadal: Auf dem Weg zu seinem angepeilten siebten Roland-Garros-Triumph bezwang er seinen spanischen Landsmann Nicolas Almagro mit 7:6 (7:4), 6:2, 6:3 und bleibt damit 2012 am Bois de Boulogne ohne Satzverlust. Bei der mit 17,226 Mio. Euro dotierten Veranstaltung schraubte der 26-jährige Mallorquiner seine imposante Matchbilanz auf 50:1.
"Ich darf nie relaxt sein. Ich muss 100 Prozent mental und physisch da sein", sagte er. "Das ist eines der besten Turniere der Welt, wenn nicht sogar das beste." In der Runde der letzten Vier trifft er entweder auf David Ferrer - einen weiteren Spanier - oder den an Nummer vier gesetzten Schotten Andy Murray. Im anderen Halbfinale bekommt es der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic mit dem Vorjahresfinalisten Roger Federer zu tun.
Scharapowa steigerte sich im Vergleich zu dem Drei-Stunden-Match gegen die Tschechin Klara Zakopalova deutlich. "Ich habe mich sehr verbessert und bin sehr glücklich", sagte sie. Nun spielt sie gegen die Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova. Die Tschechin bezwang die starke kasachische Qualifikantin Jaroslawa Schwedowa mit 3:6, 6:2, 6:4. "Petra ist eine extrem harte Gegnerin, eine gegen die ich in unseren letzten Duellen immer guten Erfolg hatte, aber gegen die ich mein Level noch einmal erhöhen muss." In ihrem möglichen ersten French-Open-Finale würde Scharapowa auf die Gewinnerin des Matches zwischen Angelique-Kerber-Bezwingerin Sara Errani aus Italien und der australische US-Open-Siegerin Samantha Stosur spielen.
Scharapowa sagte über die einst ungeliebte rote Asche: "Ich fühle mich sehr wohl. Mir haben die zwei Turniersiege auf Sand in Stuttgart und Rom Selbstvertrauen gegeben." Der Triumph in Paris ist der einzige Grand-Slam-Titel, der ihr noch fehlt. Wimbledon gewann sie 2004, die US Open 2006 und die Australian Open 2008. Scharapowa belegte in ihrer Karriere bisher für insgesamt 17 Wochen die WTA-Spitzenposition - erstmals im Jahr 2005 und zuletzt 2008.
Als letzte von 15 gestarteten deutschen Tennisprofis war am Dienstag die Weltranglisten-Zehnte Kerber in zwei Sätzen gegen Errani im Viertelfinale ausgeschieden.