Tommy Haas will dem Alter weiter trotzen. Ungeachtet des Abrutschens auf Platz 166 der Tennis-Weltrangliste liebäugelt der 33-Jährige damit, auch im kommenden Jahr auf der ATP-Tour aufzuschlagen.
Tommy Haas denkt noch nicht ans Aufhören. Foto: Barbara Walton
«Wenn der Körper hält und ich ein gutes Team habe und auch mal Erfolge hier und da, dann sehe ich keinen Grund aufzuhören», sagte Haas. Schneller als erwartet könnte der Wahlamerikaner sein Comeback im Davis Cup geben. Nach der Absage von Philipp Kohlschreiber hat Haas gute Chancen, bereits am Freitag im Einzel bei der Erstrundenpartie gegen Argentinien in Bamberg zum Einsatz zu kommen. «Er ist krank wie ein Hund», twitterte Haas über seinen verhinderten Teamkollegen Kohlschreiber.
Er selbst fühlt sich in Bamberg pudelwohl. Es gehe ihm körperlich so positiv wie schon seit langem nicht mehr, berichtete Haas in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa: «Alles ist gut, sonst wäre ich nicht hier.» Was 2013 kommt, vermag der Tennis-Routinier noch nicht zu sagen. Es komme darauf an, wie diese Saison verlaufe: «Wie fühle ich mich, wie erfolgreich bin ich?»
Dabei wäre es nur allzu verständlich gewesen, wenn Haas schon längst den Schläger weggepackt hätte. Mal war's die Hüfte, mal die Schulter, mal der Rücken - kaum ein anderer Spieler hat eine so dicke Krankenakte wie der gebürtige Hamburger.
War Haas im Davis-Cup-Team bis zu seinem bisher letzten Einsatz beim verlorenen Halbfinale 2007 gegen Russland stets der primus inter pares, so ist ihm in Bamberg keineswegs die sportliche Hauptrolle sicher. Allerdings würde es keinen überraschen, wenn Teamchef Patrik Kühnen den Rückkehrer neben Florian Mayer als zweiten Einzelspieler aufbieten würde. Denn der Augsburger Kohlschreiber musste am Dienstag wegen eines Magen-Darm-Virus passen. «Gute Besserung, Kohli», twitterte Haas, der klaglos die zweite Reihe Geige gespielt hätte. «Die beiden haben den Stammplatz verdient, auch vom Ranking her», sagte er über Mayer und Kohlschreiber.
Im Gespräch mit Haas spürt man, dass er gelassener geworden ist. Seine kleine Familie mit der 14 Monate alten Tochter Valentina und der Verlobten Sara Foster gibt ihm innere Ruhe - und motiviert ihn. Es wäre ein «allergrößter letzter Traum», wenn ihn die kleine Valentina - «vielleicht in einem Jahr» - im Arm ihrer Mutter mal live in einem Stadion zusehen könnte. «Das wäre ein Highlight.»
Und noch einen weiteren sportlichen Traum würde sich der einstige Weltranglisten-Zweite, der einen deutschen und einen amerikanischen Pass besitzt, liebend gerne erfüllen. «Meine Glückszahl ist 13, ich habe zwölf Titel. Ich würde gerne 13 Titel mit nach Hause nehmen, wenn ich aufhöre Tennis zu spielen», sagte Haas.
Ein Problem aber gibt es. Sein «Protected Ranking», das ihm wegen seiner mehr als einjährigen Verletzungspause bei allen Events einen Platz im Hauptfeld garantiert, läuft mit dem Turnier in München Ende April ab. Danach wird es für Haas kompliziert, einen vernünftigen Turnierplan aufzustellen. «Wenn ich mich nicht vorspielen sollte in den nächsten fünf, sechs, sieben, acht Monaten und nur über die Quali gehen oder nur hoffen kann, dass ich Wildcards bekomme, dann wird's auch schwer», erläuterte der Davis-Cup-Rückkehrer.
Noch aber will Haas die Stunde des Abschieds möglichst lange hinauszögern. Dass er - abgesehen von den großen Vier an der Spitze - mit fast allen mithalten kann, davon ist Haas überzeugt. Sein Auftritt bei den Australian Open, als er sich gegen Rafael Nadal achtbar aus der Affäre zog, hat ihm dies bestätigt. «Das sind die Momente, warum man sich gerne quält und nochmals versucht, einen Angriff zu starten», erklärte Haas und fügte hinzu: «Tennis ist mein Leben, Tennis ist mein Sport.»
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