Der ganz große Erfolg blieb Andrea Petkovic verwehrt. Statt Tränen der Freude zu vergießen, weinte die 22-Jährige nach dem Abstieg der deutschen Tennis-Damen aus der Feld- Weltgruppe bitterlich.
Petkovic (M) und Barrois können ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
«Das fühlt sich gar nicht gut an», sagte Petkovic, die mit zwei Einzelsiegen die Hoffnung auf den Klassenverbleib lange aufrechterhalten hatte. Doch im Doppel ließ sich die Darmstädterin von der nervösen Kristina Barrois anstecken, das deutsche Duo wurde von den Französinnen Julie Coin und Alizé Cornet förmlich überrollt. Am Ende standen eine unnötige 2:3-Niederlage gegen Frankreich und jede Menge Frust. «Ich bin emotional immer noch ganz schön ausgelaugt, versuche aber, die positive Energie mitzunehmen», sagte Petkovic in Stuttgart, wo sie beim WTA-Hallenturnier in der ersten Runde auf die Ungarin Agnes Szavay trifft.
Andrea Petkovic schlägt im Spiel gegen die Französin Rezai eine Rückhand.
So unglücklich die Nummer 49 nach dem Abstieg neben ihren ebenso frustrierten Teamkolleginnen saß, für Petkovic war die Fed-Cup-Woche dennoch ein großer Erfolg. Zweieinhalb Monate nach dem Trauma von Brünn, als sie am Druck der Nummer eins zerbrochen war und ihre beiden Einzel verloren hatte, trumpfte die Lokalmatadorin dieses Mal auf und richtete danach eine Liebeserklärung an den Team-Wettbewerb.
Pauline Parmentier aus Frankreich und Kapitän Nicolas Escudé klatschen sich ab.
«Der Fed Cup ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich persönlich kann nicht verstehen, wie man nicht für Deutschland spielen kann», sagte die stets meinungsfreudige Hessin. Dass die derzeit verletzte Sabine Lisicki im Erstrundenduell in Tschechien nicht zur Verfügung stand und auch bei den deutschen Männern der Davis Cup nicht besonders hoch im Kurs steht, für «Petko» unverständlich.
Julia Görges ist von ihrer Leistung enttäuscht.
«Der Fed Cup ist eine gute Schule. Wer hier dem emotionalen Druck standhält, der kann zum Beispiel auch in einem Grand-Slam- Viertelfinale bestehen.» Die 22-Jährige weiß, wovon sie spricht, schließlich lernte sie in Brünn auch die andere Seite kennen. Doch in Frankfurt war alles anders. Selbstbewusst, zielorientiert und voller Energie gewann die deutsche Nummer eins ihre beiden Einzel.
Julia Görges (l) bekommt von Teamchefin Barbara Rittner noch einige Tipps.
«Brünn ist vergessen, das ist die positive Nachricht. Auch für das Team, denn das kann mich so besser gebrauchen als in der Verfassung von damals.» Die deutschen Tennis-Damen werden Petkovic dringend nötig haben, wenn sie bereits in der kommenden Saison wieder in den Kreis der acht besten Teams zurückkehren wollen.
Andrea Petkovic lässt sich feiern.
Julia Görges und Tatjana Malek konnten dem Energiebündel gegen Frankreich nicht die nötige Unterstützung geben, Lisicki und Anna- Lena Grönefeld humpelten auf Krücken über die Anlage und werden ihre Zeit brauchen, um wieder in Form zu kommen.
Die Französin Aravane Rezai hatte gegen Andrea Petkovic keine Chance.
Teamchefin Barbara Rittner blickte dennoch zuversichtlich in die Zukunft. «So bitter der Moment jetzt für uns ist, wir werden wieder aufstehen und gestärkt aus dieser Situation hervorgehen», kündigte Rittner an, der an ihrem 37. Geburtstag das schönste Geschenk verwehrt geblieben war.
«Hut ab, wie Petko mit dem Druck umgegangen ist. Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht so ausgemalt», lobte die Teamchefin ihre Spitzenspielerin. Doch auch der Rest erhielt aufmunternde Worte. «Das Team ist jung und hat das Potenzial, irgendwann auch mal wieder um den Sieg im Fed Cup mitzuspielen.»
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