FTD.de » Sport » Fußball-WM 2010 » Das deutsche Team » Rauchzeichen deuten auf Trennung hin
  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   02.03.2010, 19:10 Schriftgröße: AAA

Jogi Löw und der DFB: Rauchzeichen deuten auf Trennung hin

Das Verhältnis zwischen Bundestrainer Löw und dem Deutschen Fußball-Bund ist vor dem Argentinien-Spiel gespannt. Nach der WM ist wohl Schluss. von Andreas Lesch, München
Joachim Löw und Wolfgang Niersbach sind Deutsche, sie beherrschen ihre Muttersprache perfekt, aber sie verstehen einander nicht. Der Fußball-Bundestrainer und der Generalsekretär des DFB reden in aller Öffentlichkeit konsequent aneinander vorbei. Am Dienstag haben sie durch ihr Verhalten wieder einmal angedeutet, dass all jene Recht haben, die vermuten: Löw wird nach der WM in Südafrika nicht mehr Bundestrainer sein. Er ist auf seinen Arbeitgeber so sauer, dass er sich ein weiteres Engagement beim DFB nicht vorstellen kann.
Freundlich sprach Löw am Dienstag über die Bedeutung des Testspiels am Mittwoch gegen Argentinien in München (20.45 Uhr, ZDF, Liveticker auf FTD.de), über den Zigarrengenuss von Argentiniens Trainer Diego Maradona auf dem Trainingsplatz - den er karikierte, indem er selbst eine Zigarre mitbrachte und sich demonstrativ Feuer geben ließ - und über die Klasse seiner Jünglinge Thomas Müller und Toni Kroos. Als Löw aber gefragt wurde, ob er seinen Vertrag nicht doch noch vor der WM verlängern wolle, wurde der Bundestrainer grantig. "Dazu ist von meiner Seite alles gesagt worden", giftete er. "Ich habe jetzt schon mehrmals gesagt, dass es weitere Gespräche erst nach der WM geben wird. Ich sage das heute zum letzten Mal."
Dann fügte Löw noch einen interessanten Satz an. Er habe "das Gefühl, einige denken, ich meine nicht, was ich sage". Diese Feststellung dürfte sich auf Niersbach bezogen haben. Der DFB-Generalsekretär hatte in "Bild" erklärt: "Wenn Löw jetzt verlängern will, würden wir darüber reden." Das sollte wohl nach einem großzügigen Angebot klingen und den Eindruck erwecken, der DFB gehe nach der peinlich geplatzten Vertragsverlängerung samt unglaubwürdigem Friedensgipfel noch einmal auf Löw zu. In Wahrheit war das Interview nichts als eine überflüssige Stichelei - zumal in dem Blatt, das kürzlich mit Indiskretionen über die Vertragsvorstellungen von Löw und Teammanager Oliver Bierhoff gefüttert worden war.
Rauchen wie Maradona – aber Joachim Löw tut’s nicht im Training   Rauchen wie Maradona – aber Joachim Löw tut’s nicht im Training
Auch das omnipräsente DFB-Präsidiumsmitglied Franz Beckenbauer regte in München an, Löws Vertrag vor der WM zu verlängern. "Solche Nebenkriegsschauplätze stören bei einer WM. Es wäre gut, wenn das vorher gelöst würde", sagte er. "Ansonsten wird es immer lästige Fragen geben." Für diese Fragen aber kann Löw nichts. Er hat nicht das Kommunikationsdesaster zu verantworten, das der DFB sich in den Wochen des Vertragsverlängerungswirrwarrs geleistet hat. Wer erlebt hat, wie Löw jetzt versuchte, mit einem Machtwort die unsägliche Vertragsdebatte zu beenden, der kann erahnen, wie sehr er dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Niersbach den Vertrauensbruch immer noch nachträgt.
Dass Löw nach der WM als Bundestrainer aufhören wird, darauf deuten auch zwei Personalien hin: Urs Siegenthaler, sein hoch geschätzter Scout, heuert zur kommenden Saison als Sportchef beim HSV an. Als ausgemacht gilt verbandsintern zudem, dass Teammanager Bierhoff beim DFB nach der WM keine Zukunft haben wird; jener Bierhoff, den Löw zuletzt als seinen wichtigsten Mitstreiter bezeichnet hat. Der jüngste Beleg dafür waren die Tiraden, die Zwanziger zuletzt gegen Bierhoff losließ. "Von seiner Kompetenz bin ich überzeugt, aber auch das Menschliche gehört dazu", stänkerte er und ließ sich in der "FAS" zu einer verräterischen Aussage hinreißen: "Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die öffentliche Meinung für Oliver Bierhoff und gegen den DFB gerichtet ist. Es ist umgekehrt."
Natürlich mühen sich alle Beteiligten, die Behauptung aufrecht zu erhalten, Löws Zukunft sei offen. Aber das wird nicht ausreichen, um die Bundestrainerdiskussion zu beruhigen.
  • Aus der FTD vom 03.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
Schlagzeilen
FUSSBALL

mehr Fussball

MOTORSPORT

mehr Motorsport

RADSPORT

mehr Radsport

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote