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  Meinungsstark FTD-Serie: Die Weltsicht der Politiker

Gewöhnlich ist Reden eine große Politikerkunst. Aber wie ist es um die Schreibkünste bestellt? Einige Politikgäste wollten für die Geburtstagsausgabe nicht nur Themen auswählen, sondern unbedingt kommentieren. Lesen Sie hier die Ergebnisse.

Merken   Drucken   22.02.2010, 13:33 Schriftgröße: AAA

Anlegerschutz: Beipackzettel für gesunde Anlageberatung

Kommentar Fachwissen ist hinderlich, verständliche Sprache auch. Nicht gut fürs Geschäft, wenn der Kunde durchblickt, meinen Banker. Das ändert sich. von Julia Klöckner
Julia Klöckner ist CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverbraucherschutzministerium
Wehe, es gibt ihn wirklich, den mündigen Verbraucher. Viel beschworen, oft gefordert. Aber bitte nicht ernst nehmen. Droht ein neues Gesetz, sind "Mündigkeit" und "Bevormundung" Wörter, die Suchprogramme in Lobbypapieren als erstes aufspüren. Gut, nehmen wir sie beim Wort: Mündig sein, selbst sprechen können, ist dem vergönnt, der versteht, was er spricht. Das gilt auch für den, der andere verstehend machen will. Der Berater und sein Kunde - eine besondere Beziehung, die dringend einer Paartherapie bedarf. Denn Anlageberatungen in Deutschland sind - wie eine Untersuchung von Finanztest zutage förderte - grottig schlecht. Warum? Weil die, die die Produkte in der Bankfiliale an den Mann und die Frau bringen sollen, oft selbst nicht wissen, was sich hinter den bunten Werbeversprechungen und kruden Fachausdrücken verbirgt.
FTD Jubiläumsproduktion Berlin: Julia Klöckner (r.)   FTD Jubiläumsproduktion Berlin: Julia Klöckner (r.)
Immerhin: Vorteile für eine Anlage sind schnell zur Hand, gerne als kleine Faltbroschüre für den Kunden. Nachteile? Wer Fantasie hat, erkennt diese hinter banalen Überschriften wie: "Für wen eignet sich das Anlageprodukt?" Hinweise auf "Totalverlust" und "Pleite"? Fehlanzeige. Nicht in diesem Text, vor dem Kauf. Nach dem Kauf dann schon, im Geldbeutel. Klare Sprache ist hinderlich - für den schnellen Verkauf. Mit Mündigkeit hat das wenig zu tun. Nur wer alle relevanten Informationen transparent zur Entscheidung vorliegen hat und sie verstehen kann, nur der kann mündige Kaufentscheidungen treffen. Nur wer weiß, wie hoch sein Risiko beim Kauf einer Anlage ist, nur wer Produkte miteinander vergleichen kann, der ist im Bilde. Doch zu den Verschleierungen und Versprechungen im Privatkundengeschäft passt nicht die transparente Vergleichbarkeit von Konkurrenzangeboten.
Es geht nicht anders: Risiken und Nebenwirkungen gehören in einen verständlichen Beipackzettel, in ein Produktinformationsblatt. Und keine Angst vor der Unterforderung der Verbraucher! Die werden dankbar sein - mit oder ohne Diplom in Volkswirtschaftslehre. Die Banken müssen jetzt das umsetzen, worauf sie sich mit Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner bereits geeinigt haben: verloren gegangenes Vertrauen wiedergewinnen, den Kunden reinen Wein einschenken und den Überblick erleichtern. Ohne Fachvokabular, ohne Nebelkerzen. Die Branche ging zur Zeit dieser Übereinkunft allerdings noch im Büßerhemd der Zeit nach der Lehman-Pleite.
Doch ein "Wir packen es an" sieht wahrlich anders aus. Ausnahme: Die ING-Diba war Vorreiter mit dem nutzerfreundlichen Produktinformationsblatt. Jetzt folgt die Deutsche Bank. Und die gilt in Kreisen der Branche nun als Streber, unkollegial. Verräter wäre sicherlich zu viel gesagt.
Aber der Druck wächst, den guten Worten und Beteuerungen Taten folgen zu lassen. In anderen Ländern klappt das schon längst. Denn wer seine Zertifikate, Fonds oder Versicherungen nicht auf wenigen Seiten darstellen kann, hat etwas zu verbergen.
Nicht alles muss durch Gesetze geregelt werden, weder Verbote noch Gebote ersetzen den Verstand. Die Banken haben es selbst in der Hand: Akute Wundbehandlung à la Bankenrettungsschirm oder verlässliche Vorsorgemaßnahmen. Und da gibt es weitaus Schlimmeres, als sich auf verständliche Beipackzettel einzulassen.
  • Aus der FTD vom 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 22.02.2010 17:39:02 Uhr   Klaus: Wieso so komplizeirt

    Wieso nicht einfach die Beweislast für Flaschberatung umkehren. Die Bank sollte eindeutig belegen können, nicht falsch beraten zu haben. Ich denke dieses würde Wunder wirken bezgl. Transparenz und eindeutig der Informationen. Besser jedenfalls als ein komplizeirtes Regelwerk was von den Banken systematisch unterlaufen werden wird. Siehe z.B. Lehman Zertifkate und Citibank (Targobank) von einsicht keine Spur und dort gab es schon eine Art Beipackzettel.

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