Aspirin - noch ist zügelloser Genuss erlaubt
Geht es nach dem zuständigen Sachverständigenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), so werden Packungen mit mehr als zehn Gramm der in Aspirin enthaltenen Acetylsalicylsäure (ASS) ab Juli dieses Jahres nur noch auf Rezept erhältlich sein. Das würde alle Größen mit mehr als 20 Tabletten à 500 Milligramm betreffen. Der Vorstoß wurde, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, bereits im Januar unternommen und muss nun vom Bundesgesundheitsministerium abgesegnet werden. In der Regel nimmt dieses die Empfehlungen aber ernst: Vergangenes Jahr wurde bereits die Abgabe von Paracetamol eingeschränkt. Auch für die Schmerzmittel Diclofenac, Ibuprofen, Phenazon und Propyphenazon soll es nun neue Regelungen geben.
Theoretisch können Apothekenkunden eine Großpackung zwar auch durch mehrere kleine ersetzen - de facto aber würden trotzdem weniger gekauft, prognostizieren Experten. "Umsatzeinbußen sind zu erwarten", sagt der Fachmann für verschreibungsfreie Medikamente (OTC) des Marktforschungsinstituts IMS Health, Gregor Weiche. "Aus der Paracetamol-Umstellung haben wir gelernt, dass eine große Packung eben nicht von mehreren kleinen Packungen vollständig substituiert wird." Der Pharmaexperte der Unternehmensberatung Booz & Company, Peter Behner, hebt vor allem auf die indirekten Effekte der Regelung ab: "Man macht den Patienten Angst. Das ist der entscheidende Aspekt, der letztlich auch zu einem Konsumrückgang führen kann." Zusätzliche Probleme sieht er für teure Markenhersteller. "Wenn der Patient durch die veränderte Packungsgröße erst einmal anfängt zu rechnen, wird er auch feststellen, dass andere Anbieter billiger sind." Längerfristig könne es sogar sein, dass sie ihre Preise senken müssten.