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  Meinungsstark FTD-Serie: Die Weltsicht der Politiker

Gewöhnlich ist Reden eine große Politikerkunst. Aber wie ist es um die Schreibkünste bestellt? Einige Politikgäste wollten für die Geburtstagsausgabe nicht nur Themen auswählen, sondern unbedingt kommentieren. Lesen Sie hier die Ergebnisse.

Merken   Drucken   22.02.2010, 15:19 Schriftgröße: AAA

BGH-Urteil zu Hartz-IV: Der letzte Tanz?

Kommentar Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts können die Hartz-IV-Sätze nicht sinken. Guido Westerwelle sollte sich dieser Realität stellen.
Olaf Scholz ist stellvertretender SPD-Vorsitzender. Von 2007 bis 2009 war er Bundesarbeitsminister.
Die Aufregung über die wilden Äußerungen von FDP-Chef Guido Westerwelle zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Regelsätzen für Bezieher von Arbeitslosengeld II ist groß. Und sie ist berechtigt angesichts der Verachtung Arbeit suchender Bürger, die aus seinen Worten spricht. Trotzdem gibt es gute Gründe, gelassen zu bleiben. Denn das merkwürdige Ereignis ist der letzte Tanz in einer politischen Vorstellung, der abrupt die Bühne weggezogen worden ist.
Olaf Scholz, SPD, während der FTD-Jubiläumsproduktion   Olaf Scholz, SPD, während der FTD-Jubiläumsproduktion
Welche arbeitsmarktpolitischen Strategien geeignet sind, um Langzeitarbeitslose wieder dauerhaft in Beschäftigung zu bringen, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Wirtschaftsliberale in der Wissenschaft, in den Unternehmensverbänden und bei FDP und Union haben bis zuletzt der Vorstellung nachgehangen, dass die Mobilisierung der Arbeitslosen besser gelingt, wenn die Arbeitslosenunterstützung möglichst gering ausfällt. Immer wieder haben sie gefordert, die Leistungen abzusenken. Vielfach haben sie darauf hingewiesen, dass ein Abstand zwischen der Höhe der Arbeitslosenunterstützung und den unteren Löhnen als Leistungsmotivation nötig sei.
Daraus haben sie aber nie den einzig richtigen Schluss gezogen, dass die Löhne steigen müssen. Stattdessen kritisieren sie die Unterstützung als zu hoch. Gerade erleben wir es wieder: Westerwelle fordert - zu Recht -, dass derjenige, der arbeite, mehr haben müsse als derjenige, der nicht arbeite. Aber Lohnerhöhungen meint er damit nicht! Er will die Regelsätze senken, auch wenn er sich nicht traut, das zu sagen.
Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner jüngsten Entscheidung zur Berechnung der Hartz-IV-Sätze so ganz nebenbei die Durchsetzung dieser politischen Auffassung verboten. Die Höhe der Arbeitslosenunterstützung darf sich nur nach dem ermittelten Bedarf richten darf - nicht nach anderen Erwägungen. Damit ist ausgeschlossen, dass die Unterstützung aus irgendwelchen arbeitsmarktpolitischen Motivationen heraus gesenkt wird. Und wer das Urteil genau studiert, wird schnell feststellen, dass die Vorgaben der Karlsruher Richter zu höheren Leistungen führen werden. In den aufgeregten Stellungnahmen dieser Tage hört man zwar auch andere Interpretationen des Richterspruchs. Stichhaltig sind sie aber nicht. Das Urteil ist eindeutig.
Die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die so wenig verdienen, dass sie netto kaum mehr oder sogar weniger haben, als ihnen als Arbeitslosen zustünde, ist jetzt schon hoch. Und sie droht weiter zuzunehmen.

Teil 2: Wirksame Strategien gegen diese Entwicklung

  • FTD.de, 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 23.02.2010 09:05:44 Uhr   Beate: Niederlande

    Frau von der Leyen besucht gerade die Niederlande.

    Was mich interessieren würde:

    "Besonders wichtig ist der so genannte Nonprofitsektor. Gemeint sind hier Aktivitäten von der Sozialarbeit über die Wissenschaft, Kunst, Religion bis hin zum Sport. In den Niederlanden sind heute bereits 12,6 Prozent aller Vollzeitstellen im Nonprofitsektor angesiedelt. In Deutschland sind es erst 4,9 Prozent. Hier gibt es ein Potenzial für Millionen von Arbeitsplätzen."

    Wie finanzieren die Niederländer ihr überaus grosszügiges Sozialsystem?

    "Finanzierbarkeit des Sozialsystems

    Ein weiteres wichtiges Thema in bereich des Sozialpolitik ist das System de sozialen Sicherung. Die Niederlande haben auf diesem gebiet einen guten Namen zu verlieren, denn ihr System gilt weltweit als vorbildlich – wenn auch immer mehr als unbezalhbar. Allgemein setzt sich nach und nach die Erkenntnis durch, dass die Grenzen der Finanzierbarkeit erreicht sind. Der Grundgedanke der sozialen Gerechtigkeit soll erhalten bleiben.
    In bestimmten Bereichen wie der Erwerbsunfähigkeitsversicherung sind daher erste Reformen eingeleitet worden. In den Niederlanden ist fast eine Million Menschen ganz oder teilweise erwerbsunfähig. Die meisten politischen Parteien sind sich darüber einig, dass die Zahl viel zu hoch ist und in keinen gesunden Verhaltnis zur Gesamtzahl der Erwerbstätigen steht."

    http://osterreich.nlbotschaft.org/die_niederlande/allgemeines/sozialpolitik?mode=print&popup=true

  • 23.02.2010 02:26:34 Uhr   fokus: Nochmals
  • 22.02.2010 20:47:05 Uhr   Walker: Hartz IV und die Mindestlöhne
  • 22.02.2010 16:00:34 Uhr   Beate : Staatliche Beschäftigungsförderung
  • 22.02.2010 15:39:08 Uhr   Arzt: Hartz 4
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