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  Ökonomisch FTD-Serie: Die Weltsicht der Manager

Normalerweise sind Manager aus Wirtschaft und Finanzen die Chefs. Für die Geburtsausgabe der FTD spielten sie Chefredakteur und Chefreporter. Lesen Sie hier die Ergebnisse des außergewöhnlichen Experiments.

Merken   Drucken   22.02.2010, 12:44 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Gefühlte Gerechtigkeit

Kommentar Dem alten Kontinent droht ein schleichender Untergang in trügerischer Selbstgefälligkeit. Europa muss zum Fortschrittslabor werden - und Deutschland sollte hier vorweggehen. von Hans-Otto Schrader
Hans-Otto Schrader ist Vorstandsvorsitzender der Otto Group.
Attac und Verdi - was für eine Koalition - luden am Wochenende in Berlin zu einem Kongress zur "Kapitalismuskritik". Die Diskussion über dieses Thema mutet auf den ersten Blick gewollt an. Spätestens seit dem Beinahezusammenbruch des Weltfinanzsystems im vergangenen Jahr war damit zu rechnen, dass der Unmut über gewissenlose Banker zur Systemfrage werden könnte: Kritik am Kapitalismus, Kritik an der Marktwirtschaft, Kritik gar an der sozialen Marktwirtschaft. Allein: Das Ergebnis ist bislang ein gefühltes Nichts.
Hans-Otto Schrader, Mitte, während der FTD-Jubiläumsproduktion   Hans-Otto Schrader, Mitte, während der FTD-Jubiläumsproduktion
Wozu also diese Debatte? Und was hat sie mit der Wirtschaft zu tun?
Ich glaube mehr, als der Kongress einer Handvoll Gutwilliger auf den ersten Blick vermuten lässt. Sogar viel mehr.
In den vergangenen zwei Wochen haben wir die Republik in höchster Erregung erlebt. Es ging dabei um die Frage, ob unser soziales Netz zur Hängematte vermeintlich fauler Hartz-IV-Empfänger wird. Deutschlands "frechster Arbeitsloser" grinste aus der "Bild" und aus Millionen Fernsehern. Ich finde es einen Hammer, dass solche Leute eine solche Bühne bekommen, dass sie Millionen hilfebedürftiger Menschen verunglimpfen können. Aber so läuft diese Debatte in Deutschland.
Die Diskussion um die Grenzen des Sozialstaats zielt auf das Gerechtigkeitsgefühl in der Mitte der Bevölkerung. Wie viel Hilfe können und wollen wir uns leisten? Sie wird im Namen der arbeitenden Menschen geführt, und es verwundert deshalb nicht, dass sie laut aktuellen Umfragen von zwei Dritteln der Menschen in diesem Lande begrüßt wird. Dahinter steckt offenbar die Sorge, dass der Staat gerade in schwierigen Zeiten vielleicht doch nicht mehr für gerechte Lasten sorgen kann. Sie ist Ausdruck einer diffusen Verunsicherung, noch keine Systemkritik.
Noch hat die Diskussion eine ungewohnte Richtung, sie folgt dem Motto "Ihr da unten". Allerdings könnte sie schnell wieder in das übliche "Ihr da oben" umschlagen.
Klar ist, die Finanzkrise geht nicht spurlos an diesem Land vorüber. Spätestens dann, wenn die Bürger die klammen Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden hautnah zu spüren bekommen, werden sie nach einem Schuldigen für diese gefühlte Ungerechtigkeit suchen.

Teil 2: Die Schuldigen sind schnell gefunden

  • Aus der FTD vom 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 22.02.2010 13:50:26 Uhr   Roter Ritter: Falche Debatte

    Die Debatte in Deutschland über Hartz IV Empfäneger ist falsch besser wäre es mit einer Debatte wo sollen die 7 Millionen Arbeitsplätze herkommen die wir in Deutschland brauchen und dann noch mit einen Lohn wo von man Leben kann.
    Mehr Druck auf die Arbeitslosen bringen keine Arbeitsplätze.

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