Seitdem hat sich manches geändert. Die Spendenlandschaft ist unübersichtlicher. Private Fernseh- und Radiosender, Musikfestivals, Vereine - sie alle ringen in der ebenso unübersichtlich gewordenen Medienlandschaft um Aufmerksamkeit für ihr Anliegen.
Als in Haiti die Erde bebte, stampften Eventveranstalter innerhalb weniger Tage von Hamburg bis München hochkarätige Galaveranstaltungen mit Tausenden von Gästen aus dem Boden.
Eine logische Wechselwirkung zwischen Publicity und Nächstenliebe - sagen die einen. Eine heuchlerische, verlogene Werbeveranstaltung, meinen die anderen. Irgendwie haben beide recht.
Aber wir müssen aufpassen, dass sich Charity nicht zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt. Dass Unternehmen ihr öffentlich gezeigtes Engagement nicht ausschließlich dazu einsetzen, ihre Produkte zu verkaufen und ihr Image zu verbessern. Wenn ein Unternehmen Millionen verdient, indem es seine Produkte in Indien von Kindern herstellen lässt, und 100.000 Euro gegen den Hunger spendet, pervertiert das den Grundgedanken von Charity.
Wenn Galas mit einem Etat von mehreren hunderttausend Euro Spenden in Höhe von 50.000 Euro einbringen, frage ich mich, warum man das Budget nicht gleich gespendet hat.